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Reutlingen: Attacke auf Bettlerin

Am 3. März 2017 griff ein Mann in der Reutlinger Innenstadt grundlos eine auf dem Boden sitzende Bettlerin mit Pfefferspray an. Die Augenreizungen der Frau mussten vom Roten Kreuz versorgt werden.“

* hz: Reutlinger Angreifer entkommt zweimal, „Schwäbisches Tagblatt“, 04.03.2017, http://www.tagblatt.de/Nachrichten/Reutlinger-Angreifer-entkommt-zweimal-323051.html

Gewalt gegen Obdachlose: Bundesregierung ignoriert mögliche rechte Hintergründe

Seit 1989 sind 502 wohnungslose Frauen und Männer durch Gewalt ums Leben gekommen. Im Jahr 2016 waren es 17, wovon in acht Fällen die Tatverdächtigen selbst nicht wohnungslos waren.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe hält hier auch rechte Motive für möglich:

„Bei den Gewalttaten gegen wohnungslose Menschen spielen nach Erkenntnissen der BAGW menschenverachtende und rechtsextreme Motive häufig eine zentrale Rolle.“

Darüber berichteten die „Berliner Zeitung“ und die „Frankfurter Rundschau“.

Die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der grünen Bundestagsabgeordnete Monika Lazar zu dem Thema. Sie sagte der „Berliner Zeitung“:

„Dass die Bundesregierung nicht bereit ist, anzugeben, wie viele Obdachlose seit 1990 aus politischen Gründen ermordet wurden, ist eine Frechheit. Obdachlose werden damit auch über ihren gewaltsamen Tod hinaus ausgegrenzt und ihrer Würde beraubt.“

Das obwohl 2001 vereinbart worden war, dass Hasskriminalität in Deutschland erfasst wird, wenn der „gesellschaftliche Status“ des Opfers bei der Tat eine Rolle spielte.

Aalen (BaWü): Obdachloser erfroren

Im schwäbischen Aalen ist am 25. Januar 2017 im Bereich „Hasennest“ zwischen Wasseralfingen und Aalen aufgefunden ein 42-jähriger Obdachloser erfroren aufgefunden worden. In der Nacht vom 24. auf den 25. Januar fielen die Temperaturen in Aalen auf unter zehn Grad minus.
Das berichtet die „Schwäbische Zeitung“.

NTV über Gewalt gegen Obdachlose

Benjamin Laufer aus Hamburg schreibt in seinem Artikel „Verachtetes „Freiwild“Obdachlose werden brutal attackiert“ vom 11. Januar 2017 auf NTV:

„Der letzte Vorfall ist erst ein paar Tage her. Am Samstagvormittag wurde im Hamburger Bahnhofsviertel St. Georg eine Obdachlose davon wach, dass mehrere Männer ihre Kleidung anzünden wollten. Mehr als ein kleines Brandloch ist zum Glück nicht entstanden, die 27-Jährige blieb unverletzt. Die Polizei sucht nun nach Zeugen des Vorfalls.
Obdachlose werden immer wieder Opfer von Gewalt. Das zeigt auch ein kurzer Überblick über die Fälle aus dem Jahr 2016: Sie wurden ins Gesicht getreten, mit einem Hammer geschlagen, angezündet, mit einem Baseballschläger gegen den Kopf geschlagen und mit Silvesterraketen beschossen. „Es ist ein weites Spektrum an Gewalttaten“, sagt der Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W), Thomas Specht. „Extrem grausam“ seien die Taten.
Die BAG W wertet jährlich Presseberichte aus und führt mit den so gewonnenen Daten eine Statistik über Gewalttaten, die sich gegen Obdachlose richten. 52 Fälle von Körperverletzung hat sie 2016 gezählt, acht Obdachlose starben in dem Jahr sogar durch Gewalt. Die Werte sind ähnlich hoch wie in den Jahren zuvor. „Für manche Menschen sind Obdachlose Freiwild“, sagt Specht.
[…] Der Grund seien oft Ressentiments gegen die Obdachlosen: „Sie sind eine der am wenigsten angesehenen Gruppen der Gesellschaft.“ Sozialwissenschaftler sprechen von „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“. Eine aktuelle Untersuchung zeigt: 19,4 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, die meisten Obdachlosen seien „arbeitsscheu“. Dass bettelnde Obdachlose „aus den Fußgängerzonen entfernt werden“ sollen, fand mehr als ein Drittel richtig.
Ein eindeutiges Täterprofil kann die BAG W aber nicht erkennen. Meistens seien die Gewalttäter männlich und unter 30 Jahren alt, in der Regel seien es Einzeltäter, sagt Geschäftsführer Specht. Nachdem im Dezember in Berlin junge Flüchtlinge einen Obdachlosen angezündet hatten, wurde Gewalt gegen Obdachlose zum Teil zu einem durch Flüchtlinge verursachtes Problem gemacht.
„Das ist völliger Blödsinn“, widerspricht Statistiker Specht. Was sich aber mit Zahlen belegen lässt: Immer wieder werden Obdachlose Opfer rechter Gewalt. So waren von den 179 Menschen, die laut der Amadeu Antonio Stiftung seit 1990 von Neonazis umgebracht worden sind, 25 obdachlos.
Dadurch, dass sie meist ungeschützt auf der Straße schlafen, werden Obdachlose aber auch leichter Opfer von gewöhnlicher Kriminalität und Raubüberfällen.“

Die acht Obdachlosen wurden von Täterinnen und Täter umgebracht, die selbst nicht wohnungslos sind.

Berlin-Kreuzberg: Jugendliche zündeten Obdachlosen an

In Berlin-Kreuzberg haben am Morgen des 25. Dezember 2016 auf dem U-Bahnhof Schönleinstraße sieben Jugendliche am frühen Sonntagmorgen gegen 2 Uhr einen Brandanschlag auf einen Obdachlosen verübt. Sie versuchten dabei einen schlafenden Obdachlosen anzuzünden. Ihr Opfer war ein 37-Jähriger Mann aus Polen. Er blieb unverletzt, weil Passant*innen eingriffen und die Flammen erstickten. Ein U-Bahnfahrer griff zudem mit einem Feuerlöscher ein.

Von den mutmaßlichen sieben jugendlichen Tätern haben sich sechs freiwillig den Behörden gestellt und ein siebter wurde festgenommen.

Die Tat ist menschenverachtend und auch wenn die Verdächtigen auf Grund ihrer ausländischen Herkunft nicht deutschnational motiviert gewesen sein dürften, kann Sozialdarwinismus als Tatmotiv sehr wohl eine Rolle gespielt haben.

* Lutz Schnedelbach: Obdachloser in Neukölln angezündet Polizei sucht nach Tatverdächtigen, 26.12.16, http://www.berliner-zeitung.de/berlin/polizei/obdachloser-in-neukoelln-angezuendet-polizei-sucht-nach-tatverdaechtigen-25375784
* BLZ/dpa: Kreuzberg: Unbekannte zünden schlafenden Obdachlosen an, 25.12.16, http://www.berliner-zeitung.de/berlin/polizei/kreuzberg-unbekannte-zuenden-schlafenden-obdachlosen-an-25371960