Archiv der Kategorie 'Gewalt gegen Obdachlose '

Groß-Gerau (Hessen): Obdachloser Mann verbrannt

Am 14. April 2017 verbrannte in Groß-Gerau (Hessen) ein obdachloser Mann. Er wurde in der Nacht zum 14. April von einem vorbeifahrenden Rettungswagen gegen 0.35 Uhr neben dem Eingang einer Bankfiliale entdeckt. Jedoch kam jede Hilfe zu spät, der 44-Jährige verstarb noch vor Ort. Er hatte dort mit weiteren Obdachlosen übernachtet, darunter auch seine Ehefrau.
Die Polizei vermeldet, dass die Brandursache „noch völlig unklar“ sei.

Banken werden als beheizte und oft noch zugängliche Gebäude von Obdachlosen als Schlafstätte genutzt. Dadurch das die in Banken aufgestellten Automaten auch nachts frequentiert werden, fühlen sich manche Bankkunden gestört. Teilweise war das Anlass für Übergriffe auf Obdachlose.
Auch in diesem Fall hatten die Obdachlosen bereits länger vor oder in der Bank genächtigt. Beschwerden der Anwohner*innen bei der Stadt blieben ohne Erfolg. Eine Form von Selbstjustiz ist somit nicht auszuschließen.

* Obdachloser Mann in Groß-Gerau verbrannt, Hessenschau, 14.04.2017, http://hessenschau.de/panorama/obdachloser-mann-in-gross-gerau-verbrannt,obdachloser-brand-100.html

Konstanz: Obdachlose überfallen

In der Nacht vom 11. auf den 12. April 2017 überfiel in Konstanz ein Mann eine 50-jährige Obdachlose im Vorraum einer Bank, wo sie geschlafen hatte. Er forderte von seinem Opfer Geld und ein Handy. Als die Frau beteuerte, nichts Wertvolles zu besitzen, durchsuchte er sie, schlug sie und raubte ihre Handtasche.

Ludwigsburg: Attacke auf Obdachlosen

Zwei Unbekannte attackierten am 16. März 2017 in Ludwigsburg einen 63-Jährigen Obdachlosen und verletzten ihn. Das Opfer erlitt eine leichte Verletzungen. Die Täter, die offenbar dunkle Haare und einen dunklen Teint haben, flüchteten anschließend in Richtung Bahnhof.

* red: Unbekannte attackieren Obdachlosen, 17. März 2017, http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.ludwigsburg-unbekannte-attackieren-obdachlosen.cc615f20-f667-494a-9e69-656f6ea50822.html

Reutlingen: Attacke auf Bettlerin

Am 3. März 2017 griff ein Mann in der Reutlinger Innenstadt grundlos eine auf dem Boden sitzende Bettlerin mit Pfefferspray an. Die Augenreizungen der Frau mussten vom Roten Kreuz versorgt werden.“

* hz: Reutlinger Angreifer entkommt zweimal, „Schwäbisches Tagblatt“, 04.03.2017, http://www.tagblatt.de/Nachrichten/Reutlinger-Angreifer-entkommt-zweimal-323051.html

Gewalt gegen Obdachlose: Bundesregierung ignoriert mögliche rechte Hintergründe

Seit 1989 sind 502 wohnungslose Frauen und Männer durch Gewalt ums Leben gekommen. Im Jahr 2016 waren es 17, wovon in acht Fällen die Tatverdächtigen selbst nicht wohnungslos waren.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe hält hier auch rechte Motive für möglich:

„Bei den Gewalttaten gegen wohnungslose Menschen spielen nach Erkenntnissen der BAGW menschenverachtende und rechtsextreme Motive häufig eine zentrale Rolle.“

Darüber berichteten die „Berliner Zeitung“ und die „Frankfurter Rundschau“.

Die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der grünen Bundestagsabgeordnete Monika Lazar zu dem Thema. Sie sagte der „Berliner Zeitung“:

„Dass die Bundesregierung nicht bereit ist, anzugeben, wie viele Obdachlose seit 1990 aus politischen Gründen ermordet wurden, ist eine Frechheit. Obdachlose werden damit auch über ihren gewaltsamen Tod hinaus ausgegrenzt und ihrer Würde beraubt.“

Das obwohl 2001 vereinbart worden war, dass Hasskriminalität in Deutschland erfasst wird, wenn der „gesellschaftliche Status“ des Opfers bei der Tat eine Rolle spielte.