Archiv der Kategorie 'Gewalt gegen Obdachlose '

Koblenz: Obdachloser ermordet

In Koblenz wurde am 23. Märzl 2018 auf dem Friedhof der 59-jährige Obdachlose Gerd Michael Straten, ein früherer Kohlehändler, enthauptet aufgefunden.
Straten galt als freundlichen, aber verschlossenen Einzelgänger.
Die Polizei sucht nach Hinweisen zu der Tat.
Mordopfer Gerd Michael Straten

Vorfall von Gewalt gegen Obdachlose im Juni 2017

Am 10. Juni 2017 rief in Berlin-Friedrichshain ein 37-Jähriger Mann rassistische Parolen und griff einen 52 und einen 65 Jahre alten Mann an, die unter einer S-Bahn-Brücke geschlafen hatten. Er schlug einen und trat den anderen. Der 52-Jährige wurde dadurch verletzt.

Quelle: Andrea Röpke: 2018. Jahrbuch rechte Gewalt, München 2018, Seite 282

Bochum: Mordversuch an Obdachlosen

Eine Pressemitteilung der Polizei Bochum berichtet über einen brutalen Mordversuch am 9. November 2017 in Bochum:

„Der Täter folgte dem Bochumer zunächst auf den Parkplatz gegenüber der „Alten Bahnhofstraße“. Dort schlug er den 55-Jährigen gegen 1.30 Uhr zu Boden und bewarf ihn mit faustgroßen Verbundsteinen, die dort in größerer Menge gelagert sind.
Anschließend bedeckte der Täter das augenscheinlich bewusstlose Opfer fast komplett mit weiteren Steinen, einer Palette sowie mehreren Säcken mit Splitt. Danach flüchtete der Mann vom Tatort.
Der Geschädigte, der sich über mehrere Stunden nicht selbst befreien konnte, wurde gegen 3.50 Uhr gefunden. Eine Rettungswagenbesatzung brachte den stark unterkühlten Mann, der sich mehrere Rippenbrüche zugezogen hatte, in ein örtliches Krankenhaus, wo er zunächst auf der Intensivstation behandelt wurde. Mittlerweile konnte der 55-Jährige das Hospital wieder verlassen.“

Die BILD berichtet nun dass es sich sich bei dem Opfer Reszap W., einen Mann aus Polen, um einen Obdachlosen handelt.

* POL-BO: Brutaler Überfall noch nicht geklärt – Wer kennt diesen Mann?, 06.12.2017,
https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/11530/3807956
* Andreas Wegener: Polizei Bochum fahndet nach Täter Obdachloser wurde verprügelt und lebendig begraben, http://m.bild.de/regional/ruhrgebiet/fahndungsfoto/obdachloser-lebendig-vergraben-54098430.bildMobile.html

Delmenhorst: Obdachlose ermordet

Im niedersächsischen Delmenhorst wurde in der Nacht vom 3. auf den 4. November 2017 eine 51-jährige aus Polen stammende Obdachlose ermordet. Zuvor wurde sie schwer misshandelt und erlitt so schwere Verletzungen, dass sie in der Folge daran starb. Genauere Hintergründe sind bisher noch unbekannt. Tatort war eine Garage im alten Rangierbahnhof. Die Frau war erst seit rund einer Woche obdachlos und hatte zuvor in einer Sozialwohnung gewohnt. Diese hatte sie Anfang November durch eine Zwangsräumung durch die Stadt verlassen müssen.
Eventuell hat sie den Gang zu einer regulären Notübernachtung gescheut, weil es in Delmenhorst nur eine Notübernachtung für Männer gibt. Katrin Kriesche-Radtke vom Tagesaufenthalt der Diakonie für Wohnungslose in Delmenhorst meinte auch: „Frauen brauchen einen abgeschlossenen, männerfreien Raum“.

Die Tat könnte aus zwei Gründen mit der Obdachlosigkeit des Opfers zu tun haben:
- Sie wurde als Opfer ausgewählt, weil sie eine Obdachlose war. Motiv kann dabei der Hass auf Obdachlose sein, verbunden mit einer Entmenschlichung von sozial Benachteiligten und generell fehlenden Unrechtsbewusstsein.
- Sie hatte keinen sicheren Rückzugsraum und war für den oder die TäterInnen deswegen ein leichter erreichbares Opfer.

Obdachlose Frauen und Mädchen sind noch einmal speziell von sexualisierten Übergriffen, z.T. auch durch männliche Obdachlose bedroht, jedoch gab die Polizei an, das es keine Hinweise auf ein Sexualverbrechen gäbe.

* Andreas D. Becker: Tote Obdachlose in Delmenhorst. Getöte Frau lebte im Problemblock des Wolleparks, 07.11.2017, https://www.weser-kurier.de/region/delmenhorster-kurier_artikel,-getoete-frau-lebte-im-problemblock-des-wolleparks-_arid,1666519.html

Russland: Neonazis wegen Mordserie an Obdachlosen vor Gericht

Eine vierköpfige Neonazi-Gang hatte es sich zum Ziel gesetzt in Moskau die Stadt „von Vagabunden und Betrunkenen [zu] säubern“. Dafür hat sie zwischen Juli 2014 und Februar 2015 14 obdachlose Menschen ermordet!
Gezielt suchte sie nachts in abgelegenen Gegenden nach wehrlosen Obdachlosen. Obdachlose betrachtete die Gang in ihrem sozialdarwinistischen Weltbild als „biologischen Abfall“.
Mordwerkzeuge waren Messer und Hämmer. Eines ihrer Opfer ermordeten sie mit 171 Messerstichen. Überdies dokumentierten die TäterInnen ihre Mordtaten und die vorausgehenden Folterungen. Die Ordner dazu auf dem Computer trugen Namen wie „Zärtlichkeit“ und „Brauche das“.
Offenbar waren die Morde auch pschopathisch motiviert. Die Angeklagte Elena Lobatschewa, die sich „Chuckys Braut“ nennt, beschrieb die Morde als „befriedigend wie Sex“.

Am 25. Oktober 2017 wurde der Gang-Anführer Pawel Wojtow (23) zu lebenslangen Gefängnis verurteilt. Vor Gericht trug er ein Shirt, auf dem „Nur Hass“ stand und er versuchte bei der Urteilsverkündung den Hitlergruß zu zeigen.
Elena Lobatschewa (27) wurde zu 14 Jahren Haft verurteilt.
Wladislaw Karatajew (21) wurde zu 16 Jahren Haft verurteilt.
Artur Narzissow (25) wurde zu 19 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.
Maxim Pawlow (19) wurde zu 19 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Nach der Verhaftung hatte es Sympathiebekundungenaus der Neonazi-Szene gegeben.

Trotz der nun erfolgten Urteile müssen sich die Polizeibehörden fragen, wie es sein kann dass ein derart große Mordserie so lange unaufgeklärt blieb. Das dürfte auch am sozialen Stand der Opfer liegen. Ermordete Obdachlose finden weniger Aufmerksamkeit als ermordete Sesshafte aus der Mittelschicht.

* n-tv.de , dsi: „Sie lachte, wenn wir töteten“, 26. Oktober 2017, http://www.n-tv.de/panorama/Nazi-Gang-ermordete-14-Obdachlose-article20103250.html
* Elena Lobacheva hatte Lust am Töten: Ihre Bande tötete 14 Obdachlose, 26.10.17, https://rtlnext.rtl.de/cms/elena-lobacheva-hatte-lust-am-toeten-ihre-bande-toetete-14-obdachlose-4131158.html