Erinnerung an den Mord an Dieter Manzke in Dahlewitz

In dem Artikel „Kein Vergessen: Der bestialische Mord an einem Außenseiter“ erinnert der Journalist Christian Zielke an den Mord an Dieter Manzke:

„Ein schreckliches Verbrechen hat sich in der Nacht zum 9. August 2001 in Dahlewitz ereignet. Fünf Jugendliche quälten und ermordeten den Obdachlosen Dieter Manzke. Die Täter sind auf freiem Fuß. Damals wollten viele Dahlewitzer nicht über das Geschehen sprechen, doch nun sorgt die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow dafür, dass die Tat nicht in Vergessenheit gerät.
[…] „Das hat kein Mensch verdient, so zu sterben.“ So steht es auf dem Grabstein von Dieter Manzke auf dem Dahlewitzer Friedhof. Und je mehr man sich vergewissert, unter welchen Umständen Dieter Manzke vor 15 Jahren ums Leben kam, desto stärker wird die Bedeutung des Satzes. Der Tod von Dieter Manzke erschütterte nicht nur die Dahlewitzer. Manzke war einer von ihnen, auch wenn er als Obdachloser und Alkoholiker eher ein Außenseiter war. Auch die Täter kamen aus der nahen Umgebung. Dirk R., den das Landgericht Potsdam 2002 als Haupttäter verurteilte, lebte nur ein paar Meter neben dem Ort des Verbrechens.
[…] Wegen Mordes verurteilte das Landgericht Potsdam Dirk R. und Dirk B. am 10. April 2002 zu jeweils 13 Jahren Haft.
Die Mittäter Ronny R., Ralf W. und Uwe R. mussten für fünf bis acht Jahre ins Gefängnis.
Ein rechtsextremes Motiv sah der damalige Richter nicht, dennoch wird die Tat als politisch motiviert gewertet.
Grund dafür ist eine Veränderung der Brandenburger Polizeistatistik ab 2001. Sie erfasst Gewalt aufgrund des sozialen Status als sozialdarwinistisch und damit als Hasskriminalität. Dirk R. war es auch, der am Abend des 8. August 2001 die Idee hatte, „Penner und Suffis aufzuklatschen“, wie er dem Richter erzählte. Zusammen mit vier Kumpels machte er sich auf den Weg zu Manzkes Bungalow, um eine beispiellose Gewaltorgie zu starten. Sie traten und schlugen Dieter Manzke, drückten Zigaretten in seinem Gesicht aus. Dirk B., der aus Mahlow stammt, rammte dem bereits am Boden liegenden Opfer einen Finger ins Auge. Als Dieter Manzke starb, waren seine Rippen zersplittert, Teile des Schädels gebrochen und das Rippenfell gerissen. Die Täter ließen ihr Opfer in einem Gebüsch krepieren. Sein Todeskampf hat fast eine Stunde gedauert.
[…] Simone Manzke, eine von drei Töchtern, lebt nur wenige Meter vom Grab ihres Vaters entfernt. Reden will sie über das, was geschah, nicht. „Es geht mir schon schlecht genug. Ich will nicht, dass alles wieder hochkommt“, sagt sie. Auf die Frage, was sie darüber denkt, dass die Täter wieder in Freiheit sind, antwortet sie: „Was soll ich sagen. Es gibt eben keine Gerechtigkeit.“
Peter Rink war zu der Zeit stellvertretender Bürgermeister von Dahlewitz. „Das hat uns Dahlewitzer schwer getroffen“, sagt der 77-Jährige. Er legt großen Wert darauf, dass Haupttäter Dirk R. erst kurz zuvor in den Ort gezogen war und eigentlich aus Blankenfelde stammt. Manzke sei „ein ruhiger Kerl gewesen, der niemandem was getan hat“, erinnert sich Rink. Zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Fritz Lenk habe er dafür gesorgt, dass Manzke, nachdem er seine Wohnung verloren hatte, in dem Bungalow untergebracht wurde. „Wir wollten nicht, dass er auf der Straße lebt“, sagt Rink. Als Manzke tot war, habe er sich mit dem Amt Rangsdorf, zu dem Dahlewitz gehörte, bemüht, die Beisetzung geheim zu halten. „Wir wollten keinen Presseauflauf.“
[…] Ein stilles Begräbnis wollte Cordyline Bartz auf keinen Fall. Der Mahlower, der sich damals in der Arbeitsgemeinschaft Tolerantes Mahlow engagierte, legte sich heftig mit Politik und Verwaltung an. „Am liebsten hätten sie ihn in Zossen anonym verscharrt“, sagt er. Nur auf Druck von AG und Angehörigen sei Manzke im Grab seiner Eltern bestattet worden. Auf Initiative der AG kamen mehr als 3000 Mark an Spenden für einen Grabstein zusammen. Der Umgang mit dem Fall Manzke ärgert Cordyline Bartz bis heute: „Man hat versucht, die Sache totzuschweigen“
Dass es zu solch einer Tat kam, hat ihn nicht überrascht. Die rechte Szene sei damals sehr aktiv und gewalttätig gewese wiederholen kann? Bartz will es nicht ausschließen. Nur weil die Rechten öffentlich nicht mehr so präsent seien, habe sich das Gedankengut nicht in Luft aufgelöst.
[…] Immerhin ist der offizielle Umgang ein anderer. Zum 15. Todestag veranstaltet die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow ein Gedenken am Grab. Einer der Sträuße, die dort abgelegt werden, entsteht im Laden von Kerstin Gansekow, der nur wenige Meter vom Tatort entfernt liegt. „Wir waren schockiert. Ich kann mich nicht erinnern, dass so etwas je davor oder danach in Dahlewitz passiert ist“, sagt sie.“

* Christian Zielke: Kein Vergessen: Der bestialische Mord an einem Außenseiter, MAZ, http://www.maz-online.de/Lokales/Dahme-Spreewald/Kein-Vergessen-Der-bestialische-Mord-an-einem-Aussenseiter