Archiv für August 2016

Hannover: Neonazi attackierte obdachlose Frau

Die „Hannoverische Allgemeine Zeitung“ berichtet darüber, dass der Neonazi Patrick I. am 2. August 2016 in Hannover vor der Klinik Friederikenstift eine obdachlose Frau verprügelt hat.
Diese hat wüste Beschimpfungen vor sich hin gebrüllt und der Täter ging offenbar davon aus, dass die Frau seine Freundin, die bei ihm war, beleidigte und griff die Obdachlose an. Er schlug sie und trat ihr mit dem Fuß ins Gesicht.
I. wurde bereits am 25. November 2015 zu neun Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt, weil er einen Afrikaner beschimpft, geschlagen und getreten hatte.

* https://afnpnds.noblogs.org/post/2016/08/22/verurteilter-neonazi-schlaegt-obdachlose-frau-zusammen/

Wien: Verbrechen als Anlass zur Generalverdächtigung gegen Obdachlose

Die Wiener „Fraueninitiative Brunnenmarkt“ nahm den Mord an einer Frau durch einen obdachlosen Ausländer zum Anlass um gegen Obdachlose, Drogenabhängige und Migranten in ihrem Viertel Stellung zu nehmen. In ihrem offenen Brief heißt es:

„Wien gehört uns allen!
Die Ermordung der 54jährigen Maria E. am Brunnenmarkt auf ihrem Arbeitsweg durch einen illegal in Österreich lebenden, obdachlosen Kenianer hat uns aufgerüttelt.
Die Belästigungen von Frauen und Schulkindern zwischen Brunnenmarkt und Josefstädterstraße, aber auch entlang der U6 durch herumlungernde Dealer und ihre Kunden wollen wir nicht hinnehmen.
Es empört uns, dass der Spielplatz am Yppenplatz und der Platz vor dem Yppenheim zu Aufenthaltsorten für Corner Boys und Obdachlose verkommen, die diese teuer sanierten Plätze, die als Freiräume für Familien und Kinder dienen sollen, zumüllen.
Die Gehsteige am Gürtel, sowie zwischen Gürtel und Brunnenmarkt verkommen zu öffentlichen Latrinen und werden unbegehbar.
Auch wenn uns statistisch keine Bezirksauswertung von Übergriffen vorliegt, ist unser Lebensgefühl zunehmend beeinträchtigt.“

Es wird an keiner Stelle gefragt, warum Dealer mit Drogen handeln oder warum Obdachlose Müll hinterlassen. Es werden nur die (angeblichen) Verschlechterungen beklagt. Den „Corner Boys und Obdachlosen“ wird generell vorgeworfen alles zuzumüllen. Warum sozial Marginalisierte und Obdachlose den öffentlichen Raum als Latrine „mißbrauchen“ wird dagegen nicht gefragt. Die nahe liegende Antwort wäre: Aus Mangel an Alternativen. Obdachlose verfügen im Gegensatz zu den Unterzeichnenden über keine eigene Toilette. Eine klassische Umkehr-Logik wird so statt Armut den Armen die Schuld gegeben.
Weiter heißt es in dem Offenen Brief:

„Wir verwehren uns gegen diesen Missbrauch des öffentlichen Raums.
Wien gilt als eine Stadt mit hoher Lebensqualität. Teil dieser Qualität ist, dass Frauen, Mädchen, Kinder sich sicher fühlen können und ihre Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt wird. Wir fordern Behörden, Politik und soziale Einrichtungen zu einer besseren übergreifenden Zusammenarbeit auf, damit sich Frauen und Kinder, Wienerinnen und Wiener, Besucher und Touristinnen auch weiterhin mit einem guten Gefühl, untertags, abends und auch in der Nacht frei in dieser Stadt bewegen können. Kreative Lösungen sind gefragt! Wir bekennen uns zum gedeihlichen Zusammenleben von Menschen verschiedenster Herkunft in unserem lebensfrohen Viertel, das als Erfolgsprojekt gilt in dieser Stadt. Doch zu Migration und Willkommenskultur gehören begleitende Maßnahmen, besonders auch für jene, die die Regeln in unserer Gesellschaft weder verstehen noch respektieren wollen. Frauen mit Minirock, Frauen mit Kopftuch. Frauen dieser Stadt: Stehen wir zusammen. Treten wir auf gegen Vandalismus und Gewalt. Schauen wir genau hin und nicht weg. Sagen wir es laut, besonders jenen, die sich die Freiräume unserer Stadt mit Ignoranz und Respektlosigkeit aneignen: Wien gehört uns allen!“

Es ist durchaus möglich das die sexuelle Belästigung durch Männergruppen im öffentlichen Raum zugenommen hat und sich Frauen dadurch aus der Öffentlichkeit verdrängt fühlen. Dafür aber per se und nur Obdachlose, Drogendealer, Drogenabhängige oder Migranten verantwortlich zu machen pauschalisiert.
Zudem werden die beiden Themen Verwahrlosung des öffentlichen Raumes und Sexismus miteinander vermischt, obwohl sie nicht zwingend miteinander zu tun haben müssen. Was ist beispielsweise mit obdachlosen Frauen*, die für eine Vermüllung des öffentlichen Raumes sorgen, aber selber potenziell Opfer von Sexismus sein können? Zumal sie im Gegensatz zu anderen Frauen* über keinerlei sicheren Rückzugsraum verfügen.
Es entsteht der Eindruck, als wenn die Unterzeichnenden durch die Verbindung von Vermüllung des öffentlichen Raumes, Sexismus und dem Thema Migration, aus allen drei Themen eines machen wollen.

Erinnerung an den Mord an Dieter Manzke in Dahlewitz

In dem Artikel „Kein Vergessen: Der bestialische Mord an einem Außenseiter“ erinnert der Journalist Christian Zielke an den Mord an Dieter Manzke:

„Ein schreckliches Verbrechen hat sich in der Nacht zum 9. August 2001 in Dahlewitz ereignet. Fünf Jugendliche quälten und ermordeten den Obdachlosen Dieter Manzke. Die Täter sind auf freiem Fuß. Damals wollten viele Dahlewitzer nicht über das Geschehen sprechen, doch nun sorgt die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow dafür, dass die Tat nicht in Vergessenheit gerät.
[…] „Das hat kein Mensch verdient, so zu sterben.“ So steht es auf dem Grabstein von Dieter Manzke auf dem Dahlewitzer Friedhof. Und je mehr man sich vergewissert, unter welchen Umständen Dieter Manzke vor 15 Jahren ums Leben kam, desto stärker wird die Bedeutung des Satzes. Der Tod von Dieter Manzke erschütterte nicht nur die Dahlewitzer. Manzke war einer von ihnen, auch wenn er als Obdachloser und Alkoholiker eher ein Außenseiter war. Auch die Täter kamen aus der nahen Umgebung. Dirk R., den das Landgericht Potsdam 2002 als Haupttäter verurteilte, lebte nur ein paar Meter neben dem Ort des Verbrechens.
[…] Wegen Mordes verurteilte das Landgericht Potsdam Dirk R. und Dirk B. am 10. April 2002 zu jeweils 13 Jahren Haft.
Die Mittäter Ronny R., Ralf W. und Uwe R. mussten für fünf bis acht Jahre ins Gefängnis.
Ein rechtsextremes Motiv sah der damalige Richter nicht, dennoch wird die Tat als politisch motiviert gewertet.
Grund dafür ist eine Veränderung der Brandenburger Polizeistatistik ab 2001. Sie erfasst Gewalt aufgrund des sozialen Status als sozialdarwinistisch und damit als Hasskriminalität. Dirk R. war es auch, der am Abend des 8. August 2001 die Idee hatte, „Penner und Suffis aufzuklatschen“, wie er dem Richter erzählte. Zusammen mit vier Kumpels machte er sich auf den Weg zu Manzkes Bungalow, um eine beispiellose Gewaltorgie zu starten. Sie traten und schlugen Dieter Manzke, drückten Zigaretten in seinem Gesicht aus. Dirk B., der aus Mahlow stammt, rammte dem bereits am Boden liegenden Opfer einen Finger ins Auge. Als Dieter Manzke starb, waren seine Rippen zersplittert, Teile des Schädels gebrochen und das Rippenfell gerissen. Die Täter ließen ihr Opfer in einem Gebüsch krepieren. Sein Todeskampf hat fast eine Stunde gedauert.
[…] Simone Manzke, eine von drei Töchtern, lebt nur wenige Meter vom Grab ihres Vaters entfernt. Reden will sie über das, was geschah, nicht. „Es geht mir schon schlecht genug. Ich will nicht, dass alles wieder hochkommt“, sagt sie. Auf die Frage, was sie darüber denkt, dass die Täter wieder in Freiheit sind, antwortet sie: „Was soll ich sagen. Es gibt eben keine Gerechtigkeit.“
Peter Rink war zu der Zeit stellvertretender Bürgermeister von Dahlewitz. „Das hat uns Dahlewitzer schwer getroffen“, sagt der 77-Jährige. Er legt großen Wert darauf, dass Haupttäter Dirk R. erst kurz zuvor in den Ort gezogen war und eigentlich aus Blankenfelde stammt. Manzke sei „ein ruhiger Kerl gewesen, der niemandem was getan hat“, erinnert sich Rink. Zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Fritz Lenk habe er dafür gesorgt, dass Manzke, nachdem er seine Wohnung verloren hatte, in dem Bungalow untergebracht wurde. „Wir wollten nicht, dass er auf der Straße lebt“, sagt Rink. Als Manzke tot war, habe er sich mit dem Amt Rangsdorf, zu dem Dahlewitz gehörte, bemüht, die Beisetzung geheim zu halten. „Wir wollten keinen Presseauflauf.“
[…] Ein stilles Begräbnis wollte Cordyline Bartz auf keinen Fall. Der Mahlower, der sich damals in der Arbeitsgemeinschaft Tolerantes Mahlow engagierte, legte sich heftig mit Politik und Verwaltung an. „Am liebsten hätten sie ihn in Zossen anonym verscharrt“, sagt er. Nur auf Druck von AG und Angehörigen sei Manzke im Grab seiner Eltern bestattet worden. Auf Initiative der AG kamen mehr als 3000 Mark an Spenden für einen Grabstein zusammen. Der Umgang mit dem Fall Manzke ärgert Cordyline Bartz bis heute: „Man hat versucht, die Sache totzuschweigen“
Dass es zu solch einer Tat kam, hat ihn nicht überrascht. Die rechte Szene sei damals sehr aktiv und gewalttätig gewese wiederholen kann? Bartz will es nicht ausschließen. Nur weil die Rechten öffentlich nicht mehr so präsent seien, habe sich das Gedankengut nicht in Luft aufgelöst.
[…] Immerhin ist der offizielle Umgang ein anderer. Zum 15. Todestag veranstaltet die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow ein Gedenken am Grab. Einer der Sträuße, die dort abgelegt werden, entsteht im Laden von Kerstin Gansekow, der nur wenige Meter vom Tatort entfernt liegt. „Wir waren schockiert. Ich kann mich nicht erinnern, dass so etwas je davor oder danach in Dahlewitz passiert ist“, sagt sie.“

* Christian Zielke: Kein Vergessen: Der bestialische Mord an einem Außenseiter, MAZ, http://www.maz-online.de/Lokales/Dahme-Spreewald/Kein-Vergessen-Der-bestialische-Mord-an-einem-Aussenseiter

Stuttgart: Obdachloser misshandelt und ausgeraubt

„Stuttgart. Ein Unbekannter hat in der Nacht auf Sonntag im Oberen Schlossgarten einem 25-jährigenb schlafenden Mann an mehreren Stellen das Haupthaar wegrasiert, ihn geschlagen und ausgeraubt. Der Täter hatte sich gegen 3 Uhr an dem Obdcahlosen mit einem Elektrorasierer zu schaffen gemacht. Als der 25-Jährige dabei erwachte, schlug der Unbekannte mehrfach zu, griff sich die Umhängetasche seines Opfers, in der Bargeld und ein Mobiltelefon steckten, sowie einen Rucksack mit zwei Angeln, einem Messer und schwarzen Schuhen drin. Auch das Fahrrad des Opfers nahm der Mann mit. Gesamtwert des Diebesguts: 2000 Euro. Die Polizei ermittelt.
eb“

* Schwäbisches Tagblatt, 19.07.2016

Sozialdarwinistische Übergriffe auf Obdachlose in Berlin

Die Publikation „Berliner Zustände“ 2015 führt auch mehrere Übergriffe auf Obdachlose in Berlin auf:
* 3. September 2015, Berlin-Wedding: Gegen 10.45 Uhr wird auf dem Nettelbeckplatz der Schlafsack eines auf einer Bank schlafenden Obdachlosen angezündet. Die Täter_innen sind eine 44-Jährige und ein 30-Jähriger. Der Schlafende bemerkt das Feuer zunächst nicht, die Polizei kann es noch rechtzeitig löschen.
* 18. September 2015, Berlin-Mitte: Ein Mann läßt eine brennende Zeitung auf eine 31-Jährige und einen Mann fallen, die in einer Grünanlage am Koppenplatz in Schlafsäcken schlafen. Eine Zeugin löscht das Feuer und weckt die Schlafenden. Der Täter wird in der Nähe festgenommen.