Archiv für Mai 2016

Aachen: schwere Misshandlung von Obdachlosen im August 2015

Die „Aachener Zeitung“ berichtet in einem Artikel vom 5. Januar 2016 von einem grausamen Fall der Misshandlung eines Obdachlosen am 22. August 2015:

„Die drei Jugendlichen, die im August vergangenen Jahres einen obdachlosen 19-Jährigen auf dem Sportplatz der Gustav-Heinemann-Gesamtschule schwer misshandelt hatten, müssen sich vor dem Jugendschöffengericht Aachen wegen der ihnen zur Last gelegten Taten verantworten: gefährliche Körperverletzung, Nötigung und Sachbeschädigung.
Laut Anklage war es zwischen den drei Tätern (damals 15, 15 und 19 Jahre alt) und dem 19-jährigen Opfer Pascal B. „wegen einer ausstehenden Schuld von unter 100 Euro“, wie Dr. Daniel Kurth, Pressesprecher am Amtsgerichts Aachen, sagte, zu der Auseinandersetzung gekommen.
Das Trio suchte das Opfer, von dem bekannt war, dass es sich regelmäßig auf dem Sportplatzgelände aufhielt, in den frühen Morgenstunden des 22. August auf, zog den jungen Mann aus, zündete seine Kleider an und zerrte ihn in die Flammen. Die jungen Männer traten und schlugen auf das Opfer ein, unter anderem mit Hämmern.
Gegen 6 Uhr morgens fanden Passanten den unbekleideten jungen Mann und riefen sofort Polizei und Krankenwagen. Das Opfer hatte schwerste Brandverletzungen und wies weitere Anzeichen äußerer Gewaltanwendungen auf.
Neben den schweren Verbrennungen hatte der 19-Jährige massive Prellungen an Hand, Unterarm und Hinterkopf sowie einen Nasenbeinbruch, wie die Staatsanwaltschaft Aachen damals mitteilte. Nach längerem Krankenhausaufenthalt befand sich Pascal B. in psychologischer Betreuung.“

Laut dem Zeitungsbericht ist das Opfer wieder in die Obdachlosigkeit zurückgekehrt.

* Verena Müller: Obdachlosen misshandelt: Trio angeklagt, 5. Januar 2016, http://www.aachener-zeitung.de/lokales/nordkreis/obdachlosen-misshandelt-trio-angeklagt-1.1261251

Freiburg: Obdachlose aus der Innenstadt vertrieben

Die „Badische Zeitung“ berichtete am 3. März 2016, dass in Freiburg Obdachlose von der Polizei aus der Innenstadt vertrieben werden:

„Nachts müssen Obdachlose fort aus der Freiburger Innenstadt. Sonst droht ihnen ein polizeilicher Platzverweis. Simone Lutz prognostiziert: Sie werden nur für einige Zeit verdrängt, bis sie irgendwann wiederkommen.
[…] Sie sind ein soziales Problem – und soziale Probleme löst man nicht mit polizeirechtlichen Maßnahmen. Wenn nun die Stadtverwaltung Obdachlose nachts per Verfügung aus der Innenstadt verbannt, wird der Erfolg dieser Maßnahme nicht von Dauer sein. Denn diese Menschen sind ja nicht weg – sie werden nur für einige Zeit aus der Innenstadt verdrängt, bis sie irgendwann wiederkommen. Das weiß auch die Stadtverwaltung.“

Weiter berichtet der Artikel davon das Geschäftsleute die Verdrängung forcieren:

„Doch im vergangenen Jahr hatte sie nicht nur von Einzelhändlern mächtig Druck bekommen und versprochen, für eine saubere und sichere Innenstadt zu sorgen. In diesem Zusammenhang dürfte auch die Obdachlosenaktion zu sehen sein.“

* Obdachlose in Freiburg Soziale Probleme löst man nicht mit Polizeigewalt, Badische Zeitung, 03.03.2016, http://www.badische-zeitung.de/kommentare-1/soziale-probleme-loest-man-nicht-mit-polizeigewalt--119051073.html

Berlin: Vermutlich erstes obdachloses Kälteopfer im Januar 2016 gefunden

In einem Artikel vom 16. Januar 2016 wird berichtet über das vermutlich erste obdachlose Kälteopfer berichtet, was in Berlin-Charlottenburg gefunden wurde:

„In Berlin ist vermutlich zum ersten Mal in diesem Jahr eine Person erfroren. Passanten entdeckten am Sonnabendmorgen gegen 7 Uhr einen leblosen Mann an der Ecke Kurfürstendamm und Joachimsthaler Straße. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei liegen keine Anzeichen für ein Fremdverschulden vor. Eine Obduktion soll klären, ob der Mann möglicherweise erfroren ist. Mit einem Ergebnis wird nach Angaben der Polizei nicht vor Ende des Monats gerechnet.
Am Montag vergangener Woche hatten Helfer des Kältebusses in der Bundesallee einen obdachlosen Rollstuhlfahrer vor dem Erfrieren bewahrt. Die Rettung kam buchstäblich im letzten Augenblick, der Mann war stark unterkühlt.
Der Kältebus der Stadtmission ist seit 1994 unterwegs. Mit Tee, warmer Kleidung und Schlafsäcken an Bord hilft er Obdachlosen. Nach Schätzungen der Stadtmission leben im Berliner Stadtgebiet deutlich mehr als 3000 Menschen ohne Dach über dem Kopf. Über die Notfallnummer 0178 523 58 38 können Bürger die Helfer alarmieren, wenn sie Menschen in Not vorfinden.“

* Tobias Köberlein: Vermutlich erstes Kälteopfer: Mann tot am Kudamm gefunden, 16.01.2016, http://www.morgenpost.de/berlin/polizeibericht/article206930337/Vermutlich-erstes-Kaelteopfer-Mann-tot-am-Kudamm-gefunden.html

München: Obdachlose fordern menschenwürdige Unterbringung

Ein Artikel in der Müchner tz vom 1. April 2016 berichtet vom „Aufstand der Armen: Obdachlose fordern Unterbringung“:

„Sie fordern das Notwendigste: „Wir wollen wohnen“ hallen die Protestrufe vor der Bayernkaserne. Dort haben am Donnerstag Obdachlose ihrem Unmut Luft gemacht.
Denn nachdem die Kälteschutzeinrichtung zum 1. April schließen wird, verlieren über 400 Menschen ihre Schlafmöglichkeiten! Die Stadt hatte das Kälteschutzprogramm eingerichtet. Vom 1. November bis zum 31. März werden 1000 Plätze bereitgestellt für Menschen, die keinen Anspruch auf Sozialleistungen und ein Quartier haben. Seit Wochen kämpft die Initiative „Wir wollen wohnen“ darum, dass auch Obdachlose in Notunterkünften der Stadt untergebracht werden. Denn die Not wird größer: Seit 2008 hat sich die Zahl auf 5400 Wohnungslose verdoppelt. Bis zu 650 von ihnen verbringen die Nacht im Freien!“

* Giuliana Barrios: Aufstand der Armen: Obdachlose fordern Unterbringung, 01.04.16, http://www.tz.de/muenchen/stadt/schwabing-freimann-ort43408/aufstand-armen-obdachlose-fordern-unterbringung-6269582.html

Zitatfundstück vom Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland

„Was soll das Gerede um die Leitkultur? Ist es etwa deutsche Leitkultur, Fremde zu jagen, Synagogen anzuzünden, Obdachlose zu töten?“

Paul Spiegel (1937-2006), in seiner Rede zum Jahrestag der Kristallnacht, 9. November 2000 in Berlin