Archiv für Mai 2015

Aufruf zum zweiten Strassenkinder-Kongress

Liebe Leute,
die ihr mit einem oder zwei Beinen auf der Straße lebt, deren Zuhause eine Notschlafstelle ist, oder die im Streetwork auf den Straßen Deutschlands durch Sozialarbeiter erreicht werden: Nachdem wir im September 2014 in Berlin den 1. Bundeskongress der Straßenkinder mit über 120 Beteiligten durchgeführt haben, wodurch einige von euch sogar persönlich mit der Bundesjugendministerin in Berlin zusammengekommen sind, die zukünftig in der Arbeitsgruppe mit Mitarbeitern des Bundesjugendministeriums an Ideen von euch arbeiten wird; andere wiederum in den nächsten Wochen mit Dr. Gysi, dem Fraktionsvorsitzenden der Linken zusammenkommen werden, um die Lage der Straßenkinder in Deutschland zu besprechen – wir wagen es nochmal und lassen die Große Konferenz der Straßenkinder stattfinden, im September 2015, wieder in Berlin! Diesmal wollen wir über 300 Jugendliche aus allen Teilen der Bundesrepublik versammeln, soll die Bundesjugendministerium Manuela Schwesig selbst anwesend sein und sollen viele Prominente unsere Zusammenkunft unterstützen. Und wieder wird es so sein, dass euch Reisebusse von euren Hilfeeinrichtungen nach Berlin bringen werden. Noch haben wir keinen genauen Termin, wissen aber, dass es Mitte September sein wird (ein Freitag und ein Samstag). Wenn du/ihr diese Nachricht lest, dann könnt ihr Folgendes tun: Geht auf die Leitung eurer Einrichtung zu (Not- und Anlaufstelle, Streetworker und andere Sozialarbeiter) und macht sie aufmerksam auf die Große Konferenz der Straßenkinder, im September 2015 in Berlin. Wenn eure Einrichtung Interesse hat mit euch teilzunehmen, soll sie sich bitte, stellvertretend für das Orga-Team von 20 Straßenkindern in Deutschland, an Jennifer Menges (menges@karuna-ev.de; Tel.: 030-40 39 46 28) wenden, um ihr Teilnahmeinteresse zu bekunden.
Bis bald, denn mein Name ist Mensch!

http://www.strassenkinderkongress.de/

Hamburg: mutmaßlich ermordeter Obdachloser gefunden

Am 21. April 2015 wurde in Hamburg-Lohbrügge ein 51-jähriger alter Mann tot aufgefunden, der eine starke Kopfverletzung aufwies. Vermutlich wurde er im Zeitraum vom 20. auf den 21. April erschlagen. Der Tote hatte laut Polizei keinen festen Wohnsitz.
Tatort Hamburg

Studie des LKA NRW weist Obdachlosen-Feindlichkeit als Tatmotiv nach

Für eine Präsentation des LKA NRW zum Thema „Gewalt gegen Wohnungslose. Täterbezogene Ergebnisse einer Aktenanalyse“ zur Bundestagung 2013 der BWG Wohnungslosenhilfe e.V. wurden 151 staatsanwaltschaftliche Ermittlungsakten der Jahre 2008 bis 2010 ausgewertet.
Deren Auswertung kommt zu folgendem Schluss:
* 91% der Tatverdächtigen sind männlich
* 75% der Tatverdächtigen sind in Deutschland geboren
* nur 2% der Tatverdächtigen wurden von den Behörden als rechtsextrem eingestuft, wobei Behörden hier oft blind oder unwissend oder sehr strenge Kriterien anlegen
* 54% der Tatverdächtigen sind selber wohnungslos und 18% haben Kontakte zu Wohnungslosen

Die übrigen 28% nicht-wohnungslosen Tatverdächtigen sind besonders interessant. Sie unterschieden sich in einigen Punkten von den Tätern mit Berührungspunkten zu Wohnungslosigkeit. So ließ sich feststellen:
* es handelt sich zu 51% um Jugendliche im Alter zwischen 15 und 21 Jahren
* 78% aus dieser Kategorie kannten ihr Opfer gar nicht
* Angriffe durch nicht-wohnungslose Tatverdächtige sind öfters überfallartig
* nicht-wohnungslose Tatverdächtige planen ihre Taten häufiger (33%)
* sie geben zu 24% an aus „Langweile“ gehandelt zu haben
* zur Motivation wurde bei 40% Abwertung angegeben, 24% Aggressivität, 17% Eskalation und 12% Gruppendynamik

Frankreich: Gitter statt Bänke

Die konservativ regierte Gemeinde Angoulême nordöstlich von Bordeaux hatte auf einem Platz in der Innenstadt genau zu Heiligabend Gitter an neun Sitzgelegenheiten angebracht. Ziel war es, damit Obdachlose, Trinker und Punks von den Bänken fernzuhalten. Die Gemeinde berief sich bei der Aktion auch auf die Erfahrung örtlicher Ladenbesitzer/innen.
Daraufhin drangen Jugendliche in die käfigartigen Konstruktionen ein, um gegen die Absperrung der Bänke zu protestieren. Dazu gab es noch weitere Proteste und vier der Käfige wurden beschädigt.
In Reaktion auf die Proteste wurden die Gitter wieder entfernt.

* Abgesperrte Bänke in Angouleme Gitter gegen Obdachlose, 26.12.2014, http://www.tagesschau.de/ausland/angouleme-103.html
* euronews: Frankreich: Obdachlosen-Zäune in Angoulême wieder entfernt, 26/12/2014, http://de.euronews.com/2014/12/26/frankreich-obdachlosen-zaeune-in-angouleme-wieder-entfernt/

Berber-Vokabeln: Pennenrutscher

Als „Pennenrutscher“ werden Obdachlose bezeichnet, die von Notübernachtung zu Notübernachtung ziehen und vor allem in diesen leben.