Hinweise auf mindestens einen weiteren sozialdarwinistisch motivierten Mord in Sachsen

Gleiches gilt auch für die vor mehr als neun Jahren bei Nünchritz (Landkreis Meißen) ermordete Vera Motz. Als „Katzenjule“ soll die 66-jährige Rentnerin vor Ort bekannt gewesen sein, und auch dafür, jede Nacht mit einem Handwagen Müll eingesammelt zu haben. Ihren Streifzug in der Nacht zum 20. Oktober 2004 überlebte sie nicht, die Besatzung eines Streifenwagens fand die Totgetretene am Straßenrand kurz nach dem Ortsausgangsschild. Auch ein Massengentest, an dem sich mehr als 2000 Frauen beteiligten, und TV-Fahndungen bis ins Jahr 2012 brachten die Kriminalisten bis heute nicht auf die Spur der Täter.
Im Unterschied zum Dresdner Brüdermord war im Fall Motz nie die Rede von einem rechtsextremistischen Hintergrund. Trotzdem ist auch er jetzt in das Raster gefallen. Warum, nannte das Ministerium gestern nicht – „um die Ermittlungen nicht zu gefährden“.
[…] In Sachsen zählen Initiativen bislang 14 Opfer – ohne dass die Brüder S. und Vera Motz dazugehören. Vier davon sind laut Köditz bisher nicht offiziell anerkannt, darunter drei getötete Obdachlose.

* Tino Moritz: Drei weitere Opfer rechter Gewalt in Sachsen?, „Freie Presse“, 11.01.2014, http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/TOP-THEMA/Drei-weitere-Opfer-rechter-Gewalt-in-Sachsen-artikel8667950.php