Greifswald: Neonazis versuchten Gedenken an ermordeten Obdachlosen zu vereinnahmen

Greifswalder Nazis gedenken ermordeten Obdachlosen
Nach einem eigenen Bericht auf ihrer Homepage haben die „Nationalen Sozialisten Greifswald“ 2010 einen Kranz am Gedenkstein für den ermordeten Obdachlosen Eckard Rütz abgelegt. Konkret steht auf dem Gedenkstein: „Zum Gedenken an Eckard Rütz – am 25. November 2000 von drei Jugendlichen mit rechtsextremistischer Gesinnung ermordet.“
Die Greifswalder Neonazis hingegen schreiben von Rütz, als „von drei Jugendlichen erschlagenen Obdachlosen“ und beklagen, dass die Gedenkstein-Inschrift „zur Diskreditierung der Bewegung dient“. Die politischen Hintergründe der Tat versuchen die Neonazis wegzureden:

Dass der Haupttäter einige Zeit vor der Tat nicht mehr zur NPD gehörte und höchstens nur noch eine Randerscheinung war, die weder weltanschaulich noch sozial gefestigt war, wird zu gern von den Protagonisten der Antifa Greifswald ausgeblendet.

Das lokale Neonazi-Newsportal „MuPInfo“ sspringt den braunen Gesinnungsgenossen aus Greifswald bei:

Die Täter von damals waren jedoch keine organisierten Rechtsextremisten oder Nazis, sondern vielmehr Jugendliche aus zerrütteten Elternhäusern, alkoholisiert und charakterlich unreif, ohne Respekt vor dem menschlichen Leben.

Dann wird auf „MuPInfo“ noch von den Maßnahmen des NS-Regimes gegen Arbeits- und Obdachlosigkeit geschwärmt:

Allerdings, und hier mögen als Beleg die Sofortmaßnahmen der nationalsozialistischen Regierung nach der Machtübernahme dienen, sieht die nationale Weltanschauung im obdachlos gewordenen Menschen zunächst einmal den Volksgenossen.

Die Verfolgung von so genannten“Asozialen“ leugnen die Neonazis gar nicht, sie rechtfertigen sie vielmehr:

Lediglich notorische Hausierer, Arbeitsverweigerer und zwanghaft nomadisierende Landstreicher, die sich ihrer staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten verweigerten, wurden später als sogenannte „Asoziale“ in Konzentrationslager gesperrt.

Dieses Beispiel, in dem Rechte versuchen obdachlose Opfer oder Obdachlosigkeit zu instrumentalisieren ist kein Einzelfall. Auch im Fall von Oschatz legte die NPD einen Kranz nieder
Rechte Parteien und Organisationen inszenieren sich auch gerne als Fürsprecher von Obdachlosen. Dabei werden die („eigenen“) Obdachlosen in Konkurrenz z.B. zu Asylbewerbern gestellt. In Frankreich betreiben extreme Rechte Suppenküchen mit Schweinefleisch, um Muslimen und Juden den Zugang in Frankreich zu verwehren. In Deutschland startete die NPD vor einiger Zeit ein „Winterhilfswerk“ für Obdachlose.
Es ist zweitrangig, ob die Rechten das Ganze wirklich ernst meinten oder ob das ausschließlich ein PR-Coup, um von der eigenen menschenverachtenden Ideologie abzulenken. Extreme Rechte in Deutschland setzen sich aber immer nur dann für Obdachlose ein, wenn sie diese als „Deutsch“ definieren und ihrer „Volksgemeinschaft“ zuordnen.