Archiv für Juli 2012

PM: Gedenkinitiative für das obdachlose Opfer Günter Schwannecke

Schwannecker, Günther

Initiative zum Gedenken an den Wohnungslosen Günter Schwannecke gegründet
An ein unbeachtetes und vergessenes Opfer von Gewalt gegen Ausgegrenzte will die Günter-Schwannecke-Gedenkinitative erinnern, die sich am 9. Juli 2012 in Berlin-Charlottenburg hat. Am 29. August 2012, dem 20. Jahrestag der Ermordung des wohnungslosen Günter Schwannecke, will die Initiative am Ort dieses Verbrechens ein öffentliches Gedenken veranstalten und eine provisorische Informationstafel anbringen. Die Günter-Schwannecke-Gedenkinitative möchte damit eine Informationsoffensive starten, um diesen Fall aufzuarbeiten und ihn dem öffentlichen Vergessen zu entziehen.
Günter Schwannecke war am 29. August 1992 von einem Neonazi in Charlottenburg erschlagen worden. Mit einem anderen Wohnungslosen, Hagen K., saß er abends auf der Bank eines Spielplatzes an der Pestalozzi-/Fritschestraße. Die beiden Neonazis Norman Zühlke und Hendrik Jähn, damals in der rechtsextremen Szene aktiv, kamen hinzu, um ebenfalls dort sitzende Menschen mit Migrationsgeschichte rassistisch zu beleidigen und zu vertreiben. Günter Schwannecke und Hagen K. bewiesen Zivilcourage und mischten sich ein. Nachdem die ursprünglichen Opfer der beiden Angreifer flüchten konnten, richtete sich ihre Wut gegen die beiden Wohnungslosen. Zühlke schlug mit einem Baseballschläger auf die beiden ein. Hagen K. wurde nach schwerem Hirntrauma im Krankenhaus gerettet, doch Günter Schwannecke starb am 5. September 1992 an den Folgen von Schädelbruch und Hirnblutungen.
Norman Zühlke wurde 1993 wegen Körperverletzung mit Todesfolge und schwerer Körperverletzung zu 6 Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Das Landgericht Berlin hob hervor, dass seine rassistische Gesinnung ursächlich für die Tat gewesen ist.
Dieser Fall war in der Statistik der Bundesregierung über Opfer rechter Gewalt von 1993 aufgeführt, 1999 und 2009 aber nicht mehr. Das Land Berlin zählte den Fall 2012 ebenfalls nicht.

Beteiligt an der Günter-Schwannecke-Gedenkinitative – Niemand ist vergessen! sind bisher:
AK Marginalisierte gestern & heute, Antifaschistische Linke Jugend, Die Linke, Informationsdienst Blick nach rechts bnr.de, Kinder- und Jugendzentrum Schloss19, Jusos, SPD, Ökumenische Zentrum für Umwelt-, Friedens- und Eine-Welt-Arbeit, VVN-BdA.

Weitere Interessierte sind zum zweiten Treffen der Initiative am 30. Juli 2012 um 19.30 im Schloss19 (angefr.) willkommen und können sich auch gern per E-Mail melden.

Kontakt
Günter-Schwannecke-Gedenkinitative
Web: http://guenterschwannecke.blogsport.eu/

Gedenken an Emil Wendland

Gedenken Emil Wendland

Ein Bericht über das Gedenken in Neuruppin von dem linken Infoportal „Indymedia.linksunten“ vom 12.07.2012:

Am 07.Juli 2012 wurde die Gedenkkampagne an Emil Wendland unter dem Motto „Niemand ist vergessen“ mit einer Demonstration durch Neuruppin beendet. Wendland wurde am 01.Juli 1992 im Neuruppiner Rosengarten von einer Gruppe Neonazis brutal ermordet. Die Nazis wollten einen „Penner klatschen“, der in ihren Augen „unwertes Leben“ war.

Das Gedenken an Emil Wendland fand viele Jahre nicht oder nur durch linke Jugendliche statt. Auch das Gedenken zum 20. Todestag geht auf die Initiative von jungen Antifas aus dem JugendWohnProjekt „MittenDrin“ (JWP) zurück.
Zur Demo selbst kamen, trotz strömendem Regen etwa 70 Personen – über die Hälfte waren Antifas aus Berlin und Umgebung. Die lokale Beteiligung beschränkte sich auf Mitglieder_Innen des JWPs, sowie Mitglieder_Innen der DKP und einigen Einzelpersonen. Vertreter_Innen des lokalen Aktionsbündnisses gegen Rechts waren nicht anwesend.

Auf der Demo sprach die „Opferperspektive“ und erinnerte an die zahlreichen Morde an sozial-marginalisierten Menschen in Brandenburg seit 1990. Die allgemeine Gleichgültigkeit am Schicksal Emil Wendlands und anderen sozial ausgegrenzten Menschen hat ihre Ursache in zutiefst verinnerlichten, kapitalistischen Denk- und Handlungsmustern. Durch alltägliche Konkurrenz und Wettbewerb findet eine Entsolidarisierung zwischen den Menschen statt. Die Angst vor dem eigenen sozialen Abstieg findet Ausdruck in der Abwertung von sozialen Randgruppen (Wohnungslose, Arbeitslose, Migrant_Innen etc.), denen die Schuld für die eigene missliche Lage gegeben wird. Letztlich wird den Menschen ein Wert zugeordnet, der sich an deren Produktivität im Sinne von Lohnarbeit misst – wer nichts leistet ist nichts wert. Solche Positionen sind nicht nur am Stammtisch verbreitet, sondern finden auch Ausdruck in Aussagen von Vertreter_Innen der sogenannten „gesellschaftlichen Mitte“ z.B. wenn Franz Müntefering (SPD) sagt: „Nur wer arbeitet, soll auch Essen“. Diesem Sozialdarwinismus des Wortes folgt ein Sozialdarwinismus der Tat, welcher sich in Ausgrenzung und Gewaltanwendung gegen Randgruppen äußert.

Auch ein Vertreter der Gedenkinitiative an Dieter Eich fand deutliche Worte, etwa gegen die Verlogenheit der Herrschenden, die bemüht sind, das Gedenken an Opfer rechter Gewalt zu auszublenden, die Hintergründe zumeist bestreiten bzw. klein reden und sich dann wenn es sich nicht mehr vermeiden lässt, „an die Spitze der Bewegung“ setzen. Gleichwohl würde es wohl nirgends in Deutschland Gedenken an Opfer rechter Gewalt geben, wenn sich Antifaschist_Innen nicht dafür stark machen würden. Deswegen ist es auch nicht wichtig, wie viele Menschen sich tatsächlich an einem Gedenken beteiligen, sondern vielmehr, dass überhaupt ein Gedenken stattfindet! Antifaschismus funktioniert nur ohne den Staat.

Ebenso kritisierte der Sprecher, die faktische Zensur der aufgestellten Gedenktafel für Emil Wendland durch die Stadtverwaltung. Gestrichen wurden die beiden letzten Sätze, welche die gesellschaftliche Ursachen der Tat benennen und zum Widerstand dagegen aufrufen. Denn obwohl es einen Wohungsleerstand gibt, werden Menschen gezwungen auf der Straße zu leben.

Die Glücksversprechen der kapitalistischen Gesellschaft gelten eben nicht für alle, denn ihr Ziel ist nicht die Bedürfnisbefriedigung aller Menschen, sondern die Profitmaximierung Einzelner.

Kampagnenauswertung
Eine abschließende Einschätzung können wir noch nicht vornehmen. Eine vorläufige Gesamtwertung fällt aber „durchwachsen“ aus. Zwar war es möglich, den Mord durch eine breite Öffentlichkeitsarbeit wieder in das Gedächnis der Bevölkerung zu rufen, denn mehr als einmal bekamen wir zu hören: „Was? In Neuruppin wurde schon einmal jemand durch Nazis ermordet?“. Ebenso konnten wir durch unsere Recherche ein Bild von Emil Wendland finden und eine Gedenktafel am Ort der Ermordung durchsetzen.

Allerdings blieb die Beteiligung an den Infoveranstaltungen im Vorfeld, etwa zu Rostock-Lichtenhagen und den Hintergründen des Mordes an Wendland, weit hinter den Erwartungen zurück. Auch an der Gedenkkundgebung am 01.Juli 2012 nahmen nur etwa 35 Menschen teil.

Am Geeignesten für eine Einschätzung der Relevanz bzw. Wirkung der Kampagne sind wohl die kurzen Gespräche am Rande der Demo, als an Passant_Innen Flyer verteilt wurden. Etwa die Hälfte war unserem Anliegen gegenüber aufgeschlossen und befürwortete ein Gedenken. Die restlichen Angesprochenen reagierten gleichgültig bis ablehnend.

Fazit
Es bleibt zu sagen, dass es wichtig ist, an Opfer rechter Gewalt zu erinnern, die Täter und den gesellschaftlichen Rahmen zu benennen (eben nicht nur die Nazis, die für den jeweiligen Mord in letzter Konsequenz verantwortlich sind) und eine antifaschistische Gedenkkultur zu etablieren, die über ein bürgerliches Gedenken hinausgeht. Allerdings müssen wir dabei in Kauf nehmen, dass eine Politisierung allein durch ein Gedenken nicht stattfinden wird.

https://linksunten.indymedia.org/de/node/63701

Pressemitteilung zum Gedenktag Aktion „Arbeitsscheu Reich“ am 13. Juni 1938

Gebinde

Am Samstag den 9.6. führten wir unseren alljährlichen Gedenktag, der an die Aktion „Arbeitsscheu Reich“ am 13.6.1938 erinnert, unter dem Motto: Zeit zu Handeln, bevor Geschichte sich wiederholt!, durch.

Am 13. Juni 2012 jährt sich zum 74. Mal die Durchführung der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ durch die Kriminalpolizei, die die offiziellen „Asozialenverfolgung“ durch das Nazi-Regime darstellte. Die Stigmatisierung und Kriminalisierung sogenannter sozialer Randgruppen wie Obdachlose, Bettler_ innen, Prostituierte, Homosexuelle, Sinti und Roma, Alkoholiker_innen …, die u. a. als „Unangepasste“, „Un- bzw. Minderwertige“, „Unnütze“, „Arbeitsunwillige“ bzw. „Volks- bzw. Gemeinschaftsfremde“ wurde legalsiert. Zehntausende wurden in dieser Aktion
„Arbeitschue Reich“ 1938 in Gewahrsam genommen und in Konzentrationslagern verbracht.

Die ehemaligen Rummelsburger Arbeitshäuser stehen symptomatisch für eine ganze Reihe authentischer Orte von Naziverbrechen, die in den letzten Jahren durch Privatisierung und Kommerzialisierung entsorgt wurden.

In den Redebeiträgen am 9.6. wurden der auf den aktuellsten Stand des Gedenkens auf dem Areal des ehemaligen Arbeitshauses und den neuesten Forschungsergebnissen wie die zur Zwangssterilisation von Asozialen im NS eingegangen.

Vor dem Berlin Erbgesundheitsgericht wurden ca. 20 000 Verfahren nach dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses (GezVeN) vom 14. Juli 1933 , das 1. Januar 1934 in Kraft trat, durchgeführt.
Davon waren nach Durchsicht der Bestände des Erbgesundheitsgerichts Berlin bis jetzt allein
202 Anträge vom Arbeits- und Bewahrungshaus Rummelsburg bzw. den zuständigen Amtsärzten des Bezirkes Berlin-Lichtenberger zwischen 1934 bis 1945 beantragt worden .
Dabei wurden nur 35 Anträge auf die Unfruchtbarmachung abgelehnt. Über 170 Beschlüssen zur Zwangssterilisationen an „Asozialen“ , wovon ca. 75 % Frauen waren, durchgefüht. Die häufigste Diagnosen war (leichter) Schwachsinn. Zur Diagnosesicherung mussten vielfach soziale Faktoren und moralsiche Wertungen herhalten.
Die Kategorie „asozial“ wurde in dem Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses nicht ausdrücklich erwähnt, wenngleich es Mediziner gab, die sich dafür einsetzten

Wir fordern den Senat von Berlin und die politischen Verantwortliche des Bezirkes Lichtenberg auf, die Opfer von Zwangssterilisationen in das geplante Gedenken auf dem Areal
der Rummelsburger Arbeitshäuser als einen Schwerpunkt mit Nennung aller der Namen der Zwangssterilisierten aufzunehmen.
Im Bund und den Länder regen wir an Forschungsmittel zur regional- und lokalgeschichtliche Forschung zur Verfügung stellen, um diese Forschungslücke für die vergessene Opfergruppe der „Asozialen“, die in den KZs mit dem Schwarzen Winkel gekennzeichnet waren, zu schließen.

Die Forschung zu der NS-Opfergruppe der „Asozialen“ befindet sich immer noch in den Anfängen. Wir fordern in Berlin einen europäischen Ort des Erinnerns und Nachdenkens zu schaffen, in dessen Mittelpunkt die Verfolgung sogenannter Asozialer im NS-Staat steht – einen musealen Gedenkort, einen Lernort, eine Begegnungsstätte, ein Studien- und Forschungszentrum zur Geschichte der sozialen Ausgrenzung..

Unser Aufruf zum Gedenktag 13.6.12
http://bewegung.taz.de/termine/gedenktag-aktion-arbeitsscheu-reich-zeit-zu-handeln-bevor-geschichte-sich-wiederholt

bitte um Beachtung der Veranstaltung am morgigen Gedenktag:
am 13.6.12 im Haus der Demokratie, in Berlin, Greifswalder Str. 4 in Berlin-Prenzlauer Berg
um 19 Uhr
„Unrecht an Kindern und Jugendlichen von 1933 – 1945“ und „vergessene Opfer“ als Herausforderung der Erinnerungspolitik mit Eva Nickel vo nder Sozialabteilugn der jüdsichen Gemeinde Berlin
http://bewegung.taz.de/termine/unrecht-an-kindern-und-jugendlichen-im-deutschen-faschismus-verfolgt-deportiert-widerstaendig-elternlos-versteckt

Aufruf: Gedenken an Emil Wendland

Wendland-Gedenken
OBEN: Foto vom Tatort im Rosengarten von Neuruppin

Der Blog „berberinfo.blogsport.de“ dokumentiert einen Text zum Gedenken an Emil Wendland vom 20. Juni 2012:

Am 01.Juli 1992 wurde Emil Wendland von einer Gruppe Neonazis ermordet. Wendland musste sterben, da sie einen „Penner klatschen“ wollten. Zum 20. Todestag gibt es eine Gedenkkampagne, die sich mit den Hintergründen der Tat auseinander setzt.
01.07.2012 // Kundgebung zum 20. Todestag von Emil Wendland
Beginn: 15:30 Uhr – OdF-Denkmal im Rosengarten/Neuruppin
07.07.2012 // Demonstration „Niemand ist vergessen“ im Gedenken an Emil Wendland und alle anderen Opfer rechter Gewalt
Beginn: 15:30 Uhr – Bahnhof Rheinsberger Tor/Neuruppin
Treffpunkt-Berlin: 14:15Uhr – Gesundbrunnen, Gleis 4 mit der S25 nach Hennigsdorf

Gewalt gegen obdachlose Menschen
Menschen ohne eigene Wohnung bilden die zweitgrößte Opfergruppe von neofaschistischer Gewalt. Besonders Anfang der 1990er fielen dutzende Menschen dieser sozialdarwinistischen Gewalt zum Opfer. Das Motiv der „Säuberung“ der Gesellschaft von vermeintlichen „Sozialschmarotzern“ nimmt in der Ideologie der (Neo-)Faschisten einen wichtigen Teil ein. Die Faschisten können dabei für sich verbuchen „lediglich“ die konsequenteste Ausprägung einer durch und durch auf Leistung und Profitmaximierung ausgerichteten Gesellschaft zu sein. Wer dazu nichts beizutragen hat, fällt notwendigerweise durch die groben Maschen eines längst verschlissenen sozialen Netzes und erfährt eine massive soziale Ausgrenzung.

Wer war Emil Wendland?
Wir wissen nicht viel über ihn. Der Mord an ihm war rasch vergessen. Zu schnell war die Abfolge neuer (neo-)faschistischer Gewalt, wie etwa der Pogrom in Rostock/Lichtenhagen im August 1992. Wir können nur versuchen, aus den Fragmenten unserer Recherche ein ungenaues Bild von ihm zu zeichnen. Emil Wendland soll kein Märtyrer werden – wir wissen nicht, ob er ein angenehmer Mensch war oder vielleicht auch nicht. Das ist aber auch nicht wichtig, denn es geht darum ihm einen Teil seiner Menschlichkeit zurückzugeben, den ihm seine Mörder nahmen.

Emil Wendland lebte in den 1980er Jahren in der Neuruppiner Schifferstraße. Er arbeitete im VEB EPN, war aber gelernter Lehrer. Bis zu seinem sozialen Abstieg kurz vor der „Wende“ war er an einer Schule in Fehrbellin tätig. Emil Wendland, der sich selbst „Bruno“ nannte, wurde alkoholkrank. Er entsprach nicht dem gesellschaftlichen Bild eines „Obdachlosen“. Er war „peinlichst sauber“ und hatte mehrere tausend Mark angespart. Emil Wendland besiegte seine Alkoholkrankheit – wenn auch nur vorübergehend. Das war Mitte der 1980er Jahre. Doch als Nachbarn ihn an Silvester auf einen Sekt einluden, erkrankte er erneut. Schnell waren seine Ersparnisse „versoffen“ und mit dem Geld gingen auch seine Freunde. Eine damalige Nachbarin beschreibt in als freundlichen, allerdings auch sehr lauten Menschen, besonders wenn er getrunken hatte. Als deutliche Erinnerung benennt sie, dass er mehrfach des Nachts die Fenster öffnete und die letzte Rede von Salvador Allende am Fenster stehend, auswendig mitsprach. Immer öfter übernachtete er auf Bänken, da er nicht mehr in der Lage war, nach Hause zu kommen.

Wer waren seine Mörder?
Der Mord wurde nie richtig aufgearbeitet. Weder juristisch, noch politisch. Das was als Urteil heraus kam, ist nicht der tatsächliche Ablauf. Wegen Totschlags wurde der damals 21jährige Denny (Name geändert, Begründung weiter unten) als Haupttäter zu 7 Jahren Jugendhaft verurteilt. Laut eigener Aussage hatte er vor der Tat 18 Bier (zu je 0,33l) getrunken und mit anderen Neonazis in einer Neuruppiner Wohnung Musik gehört. Später haben sie „den Entschluss gefasst einen Penner aufzuklatschen“, so das Gericht. Ebenfalls beteiligt war Remo Buchholz, der wegen gefährlicher Körperverletzung zu 3 Jahren Jugendhaft verurteilt wurde.

Der Tathergang
Auf ihrer Suche nach einem „Opfer“ stießen sie im Neuruppiner Rosengarten auf den schlafenden Emil Wendland. Als dieser auf Beleidigungen nicht reagierte, griffen sie ihn mit Fäusten an und zerschlugen eine Bierflasche an seinem Kopf. Vermutlich war Wendland dadurch bereits bewusstlos. Nachdem sich die Gruppe entfernte (laut Gericht waren es drei, nach Angaben von damals aktiven Antifas aber mindestens fünf), ging einer der von ihnen, während die anderen in den Park pissten, zurück und stach sieben Mal mit einem 18cm langen „Kampfmesser“ in den Oberkörper des wehrlosen Wendlands. Ein Stich durchtrennte seine Herzschlagader und führte dazu, dass er innerlich verblutete. Das Messer entsorgten die Täter am nächsten Tag im Neuruppiner See. Zwei Tage später wurden beide festgenommen. Für die Stiche verurteilt wurde Denny, aber es ist unklar, ob er die Tat wirklich ausführte.

Nach der Tat
Noch während seiner Haftzeit distanzierte sich Denny umfassend von neofaschistischen Ideologien. Um zu verhindern, dass er unter den Nazis als Held gefeiert wird, nahmen sich Menschen aus dem links-alternativen JWP-MittenDrin seiner an. Den Schritt einen Nazimörder auf linke Partys zu lassen, muss aus heutiger Sicht definitiv kritisiert werden, war damals aber eine richtige Entscheidung. Denny ist zwar persönlich nicht bereit, sich weiter mit seiner Tat und den Folgen auseinanderzusetzen, hat diese aber zumindest bereut und bis heute nichts mehr mit Nazis zu tun gehabt. Da seine Distanzierung glaubhaft ist (unter anderem durch ein umfassendes Offenlegen der Strukturen seiner ehemaligen Kameraden) sehen wir keinen Grund seinen echten Namen zu nennen, denn auch wenn er Wendland möglicherweise getötet hat, würde ein solches Outing niemandem weiterhelfen.

Ganz anders bei Remo Buchholz: Er ist heute als Tätowierer tätig und in dieser Funktion auch für das ein oder andere Hakenkreuz auf dem Körper eines Kameraden verantwortlich. Im Freundeskreis prahlt er bis heute, schon mal einen Menschen „abgestochen“ zu haben und erfreut sich an der Tatsache, dass lediglich Denny als Haupttäter verurteilt wurde.

Gedenkkampagne
Um die Morde durch Neonazis in den frühen 1990er Jahren nicht vergessen zu lassen, haben wir uns entschlossen, diesen vergessenen Mord wieder in das öffentliche Bewusstsein zurückzuholen. Die Kampagne begann mit der „Maximalforderung“ einer Straßenumbenennung. Da dies nicht durchgesetzt werden konnte (Aussage: „Was hat er schon für die Stadt getan?“), wurde sich auf eine Gedenktafel geeinigt. Ebenso wurde durch die Stadt zugesichert, dass unsere Initiativgruppe über den Text für diese Tafel entscheidet. Letztlich wurde hier allerdings durch die Stadtverwaltung eine Zensur ausgeübt und die letzten, beiden Sätze des Vorschlages ersatzlos gestrichen:

„Die Tatsache, dass Menschen auf der Straße leben müssen, während Häuser leerstehen, ist ein Beweis für die soziale Kälte dieser Gesellschaft. Es liegt an jeder und jedem von uns, für eine menschenwürdige Welt einzutreten.“

Damit wird auf der Gedenktafel nicht auf die Rahmenbedingungen eingegangen, die Morde an obdachlosen Menschen möglich machen.

Gemeinsame Einweihung zum Todestag? Fehlanzeige!
Ebenso unfassbar ist für uns, die Tatsache, dass die Stadtverwaltung nicht bereit ist, eine gemeinsame Gedenkveranstaltung am 01.07.2012 zu organisieren. Nach aktuellem Stand wird die Stadt die Gedenktafel bereits am 29.06.2012 einweihen. Als Grund dafür wird angegeben, dass dies „organisatorisch“ nicht anders möglich ist, da sich am 01.07.2012 einige Vertreter_Innen der Stadt bereits in ihrem wohlverdienten Urlaub befinden. Dieses Verhalten zeigt eine deutliche Prioritätensetzung und muss wohl auch nicht weiter kommentiert werden.

Alles muss man selber machen
Trotzdem werden wir zusammen mit der Opferperspektive und der Amadeu-Antonio-Stiftung am 01.07.2012 an den Mord erinnern und auch deutlich unsere Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen benennen, die für diesen Mord mitverantwortlich sind. Eine Gesellschaft die Menschen auf der Straße leben lässt, statt sie in leerstehende Wohnungen einziehen zu lassen, hat in unseren Augen keine Berechtigung, sich sozial und frei zu nennen.

Support your local Dorf-Antifa!”
Für den 07.07.2012 ist eine Antifa-Demo durch Neuruppin geplant. Ziel ist es hierbei eine Verbindung zu heutigen Nazistrukturen zu zeigen und ins Gedächnis zu rufen, dass auch Neuruppin von der Nazigewalt der 1990er betroffen war. Ebenso gibt es auch heute noch gewalttätige Nazis, die versuchen Strukturen aufzubauen und „nationalbefreite Zonen“ zu schaffen. Erinnert sei an dieser Stelle an die vielen Fascho-Demos in den letzten beiden Jahren in Neuruppin, an einen versuchten Messerangriff auf Antifas im April 2012 und den Angriff von knapp 40 (Neo)Nazis auf das links-alternative JugendWohnProjekt „MittenDrin“ am 01.Mai 2012.

Kein VERGEBEN und kein VERGESSEN den Nazimördern!
Im Gedenken an alle Opfer sozialdarwinistischer Gewalt!
NIEMAND IST VERGESSEN 2012

QUELLE: https://linksunten.indymedia.org/de/node/62501

USA: Polizisten misshandeln Obdachlosen bis zum Tod

In einer Meldung des Magazins „Der Stern“ heißt es:

„Es sind verstörende Aufnahmen einer Überwachungskamera: In den USA stehen mehrere Polizisten vor Gericht, weil sie einen Obdachlosen mit Knüppeln und einem Taser so verwundeten, dass er an seinen Verletzungen starb.
Das Video im Wortlaut: Es sind verstörende Aufnahmen einer Überwachungskamera, die den prügelnden Polizisten nun zum Verhängnis werden können.
In den USA stehen mehrere Polizisten vor Gericht, weil sie einen Obdachlosen dermaßen niederknüppelten, dass er an seinen Verletzungen starb. Auf dem, bei einer Vorverhandlung gezeigtem Überwachungsvideo ist zu sehen, wie der Obdachlose Kelly Thomas zunächst etwas widerspenstig auf die Behörden reagiert. Darauf hin schlug ein erster Polizist mit seinem Knüppel zu. In einem weiteren Bildausschnitt ist zu sehen, wie gleich mehrere Polizisten auf den Obdachlosen eindreschen, der verzweifelt um Hilfe schreit. Schließlich benutzten sie ihren Teaser, laut Medienberichten gleich ganze fünf Ladungen. Der Obdachlose fiel ins Koma und verstarb fünf Tage später an seinen Verletzungen. Nun stehen die Männer vor Gericht, hier links einer der mutmaßlichen Täter. Sie haben auf „nicht schuldig“ plädiert.“

Der Tote hieß Kelly Thomas (1974-2011) und starb am 10. Juli 2011 in Fullerton im Bundesstaat Kalifornien. Er wurde am 5. Juli von fünf Polizisten so stark misshandelt, dass er an den Folgen verstarb. In einem Mitschnitt der Tat schreit er verzweifelt nach seinem Vater: „Dad, Dad!“
Ein Mensch ist tot. Er fiel der Polizeigewalt zum Opfer. Warum war es einmal wieder ein Obdachloser? Warum glaubten die Täter ohne Folgen auf ihr Opfer hemmungslos einschlagen zu können?

* Prozess in den USA Polizisten prügeln Obdachlosen zu Tode, 9. Mai 2012, http://www.stern.de/panorama/prozess-in-den-usa-polizisten-pruegeln-obdachlosen-zu-tode-1824952.html
* Wikipedia: Death of Kelly Thomas, http://en.wikipedia.org/wiki/Death_of_Kelly_Thomas