Neue Entwicklungen im Prozess um den Mord an einem Obdachlosen in Oschatz

Der Prozess vor dem Landgericht Leipzig um den Mord an dem Obdachlosen André K. (50) in Oschatz geht weiter. Nach Medienberichten haben zwei der sechs Angeklagten Geständnisse abgelegt und andere Angeklagte belastet. In einem Bericht heißt es:
„Der 26-jährige Sebastian B. und der 17-jährige David O. gestanden ein, für den Tod des 50-jährigen Obdachlosen verantwortlich zu sein und ihn mehrfach getreten zu haben.
Oberstaatsanwältin Claudia Laube legt ihnen Totschlag zur Last. Der 50-Jährige war am 26. Mai 2011 in Oschatz überfallen, geschlagen und getreten worden und sechs Tage später seinen Verletzungen erlegen. Sebastian B., einer der Hauptangeklagten in dem Verfahren, ließ über seinen Anwalt Ingo Stolzenburg erklären, er habe mehrfach auf den Kopf des Obdachlosen eingetreten. […] Die beiden Angeklagten belasteten den 27-jährigen Ronny Sch. schwer, den sie als Anführer der tödlichen Attacke auf den Obdachlosen ausmachten.“
In einem weiteren Bericht ist zu lesen:
„Am 25. Mai 2011 setzten die Täter dem Leben André K.’s ein vorzeitiges Ende. Sie überraschten ihr Opfer vermutlich im Schlaf. Der Obdachlose hatte sich in einem Wartehäuschen am Oschatzer Südbahnhof eingenistet. „Was wollt ihr von mir?“, soll er seine Peiniger noch gefragt haben, bevor er das Bewusstsein verlor. Wenigstens 30 Mal schlugen und traten die jungen Leute auf ihn ein. Der 50-Jährige erlitt großflächige Blutungen, Blutergüsse, Knochenbrüche. Sein Schädel wurde zertrümmert. Ein Todesurteil auf Raten. André K. überlebte zunächst, erlag aber am 1. Juni einer schweren Lungenentzündung. Eine Folge seiner schweren Verletzungen. Der Angriff war geplant. Der Mann soll dem Kopf der Angreifer, Ronny S. (27), Geld geschuldet haben. […] Gegen 21.30 Uhr fanden sie ihn. „Wir haben uns sicher reingesteigert und uns im Suff einen sinnlosen Grund überlegt“, ließ B. seinen Verteidiger aus einer Erklärung vorlesen. Der 26-Jährige trat als Erster gegen den Mann. David O. befand sich in diesem Moment fernab der Gruppe, fast schon auf dem Nachhauseweg. Hatte er geahnt, dass seine Freunde Böses im Schilde führten? Als er Schreie aus dem Bahnhof hörte, machte er kehrt. „Ich wollte wissen, was dort passiert“, begründete er seine Entscheidung. Er kam gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie B. dem Obdachlosen sein Samurai-Schwert in den Bauch schlagen wollte. Glücklicherweise verfehlte der Betrunkene sein Opfer knapp, die Klinge zerbarst am Boden. Doch statt Hilfe zu holen, beteiligte sich David O. an der Gewaltorgie, in deren Verlauf Sebastian B. und Ronny S. mehrmals auf K.’s Kopf eingetreten haben sollen. Als auf dem Heimweg zwei Täter auf die Idee kamen, den Notarzt zu rufen, setzte sie ihr Anführer möglicherweise unter Druck. „Kommt gar nicht in Frage. Dann identifizieren sie uns“, soll er gesagt haben.“

* dapd-lsc: Leipzig/Oschatz: Erste Geständnisse im Prozess um die Tötung des Obdachlosen André K., Zwei Angeklagte gestehen Verantwortung ein, erschienen am 24.02.2012
* Patrick Limbach: Getöteter Obdachloser in Oschatz: Erste Geständnisse im Gerichtsprozess, http://www.l-iz.de/Leben/F%C3%A4lle%20und%20Unf%C3%A4lle/2012/02/Getoeteter-Obdachloser-in-Oschatz-Erste-Gestaendnisse.html