Archiv für Januar 2012

Düsseldorf: Neuneinhalb Jahre für Mord an Obdachlosen

Die Presse berichtet über das Ende des Prozesses in Düsseldorf:

Mit langjährigen Gefängnisstrafen ist am Düsseldorfer Landgericht der Prozess um die Ermordung eines obdachlosen Flaschensammlers zu Ende gegangen. Die zuständige Jugendkammer verurteilte jetzt den 18-jährigen Hauptangeklagten wegen Mordes zu neuneinhalb Jahren Jugendstrafe, ein 38-jähriger Komplize kam wegen Totschlags mit neun Jahren Haft davon.
Der 59jährige Vietnamese war nachts im März 2011 auf dem TÜV-Gelände neben dem VfR-Platz erschlagen worden. Beide Männer hatten im Prozess die Tat gestanden. Eine Überraschung war das Urteil letztlich nicht – beide Angeklagte waren von ihren Anwälten auf eine lange Strafe vorbereitet worden.
[…]
Laut Gericht war jüngere der beiden Angeklagten der Initiator der Tat. Er habe den Flaschensammler vor dem Mord beraubt und ihm Geld weggenommen. Später habe er sich dann entschlossen, den 59jährigen zu töten. Er wollte verhindern, dass das Opfer ihn bei der Polizei anzeigt“, so die Vorsitzende Richterin. Deshalb habe er mit einem Holzpfahl immer wieder brutal auf den schlafenden Mann eingedroschen – solange, bis der Vietnamese nur noch röchelte.
Auch der 38jährige Komplize habe sich an der Tat beteiligt. „Allerdings war er nur Mitläufer, er hatte kein Mordmotiv und war obendrein noch stark angetrunken“, so Staatsanwalt Christoph Kumpa. Letztlich hätten beide den schwerstverletzten Mann seinem Schicksal überlassen. „Sie haben ihm beim Sterben zugesehen“, so die Richterin.

* Marc Pesch: Neuneinhalb Jahre Haft nach Obdachlosen-Mord, NGZO, 18.01.2012, http://www.ngz-online.de/neuss/nachrichten/neuneinhalb-jahre-haft-nach-obdachlosen-mord-1.2676909

Fundstück aus Heidelberg

Heidelberger Obdachlosenhilfe

Dokumentiert: Aufruf der Antifa Velbert für den 04.02.12

Freundinnen und Freunde,

im kommenden Februar jährt sich zum 17. mal der Todestag Horst Pulter´s – am Sonntag, den 04.02.1995 wurde der damals 65-jährige Obdachlose im Velberter Herminghauspark von sieben Neonazis zunächst als »Penner« und »Scheißjude« verhöhnt, zusammengeschlagen und später getötet. Im dritten Jahr in Folge gedenken wir nun diesem Opfer rechter Gewalt und sozialer Ausgrenzung.

Zwar erkennt der zuständige Staatsanwalt damals eine „rechtsradikale, menschenverachtende Gesinnung“ der Täter, doch Polizei und Politik verschweigen diese Tatsachen bis heute.

Dieses konsequente Leugnen von rechtsradikalen Strukturen in Velbert zieht sich bis heute wie ein roter Faden durch den lokalpolitischen Alltag. „Wir wollen die erfolgreiche Arbeit des Judoclubs nicht kaputt machen.“ So kommentiert die Velberter Politik es wenn öffentlich wird, dass der 2. Vorsitzende des lokalen Judovereins ein polizeibekanntes Mitglied der lokalen Neonaziszene ist. Die Tatsache, dass ein Inhaber einer Musikschule gleichzeitig auch NPD-Unterstützer ist, wird von der Stadt ganz offiziell mit „wir müssen uns neutral verhalten“ kommentiert.
Regelmäßig tauchen im Stadtbild rechte Schmierereien und Aufkleber auf, Pöbeleien gegen und tätliche Angriffe auf mutmaßliche Antifaschisten sind an der Tagesordnung. Zu all dem gibt es keinen Kommentar von der Stadt – im Gegenteil: Velberter Polizisten sprechen im WAZ-Interview
ganz offen über Vorbehalte gegenüber Ausländern. Ein Dezernent der Stadt glänzte erst kürzlich im Zusammenhang mit den katastrophalen Bedingungen im lokalen Asylbewerberheim mit einer zutiefst menschenverachtenden und rassistischen Stellungnahme in einem Interview mit Sat1.

Diese erschreckende Häufung nicht hinnehmbarer Vorkommnisse hat uns dazu veranlasst, die diesjährige Gedenkdemo zum Tod Horst Pulters auch dafür zu nutzen, die alltägliche, rassistische und menschenverachtende Politik der Stadt in den Fokus der Öffentlichkeit zu ziehen.

Am Samstag, den 4. Februar 2012 werden wir daher also unter dem Motto „Kein Vergeben, kein Vergessen“ im Gedenken an alle Opfer rechter Gewalt, sozialer Ausgrenzung und rassistischer Asylpolitik in Velbert demonstrieren.

Helft uns, ein klares antifaschistisches Zeichen in den braunen Alltagstrott zu setzen, denn es gibt kein ruhiges Hinterland. Wir haben Flyer, Plakate und Aufkleber drucken lassen, um auf dieses wichtige Anliegen aufmerksam zu machen. Das Mobimaterial ist bei uns anzufragen. Wir denken ihr habt Verständnis dafür dass wir nur solche Anfragen bearbeiten, die klar als ehrliche Anfragen zu identifizieren sind. Nutzt also bitte eure bekannten Mailadressen für Mobistuff-Anfragen, teilt unseren Aufruf und veröffentlicht ihn auch in euern Blogs und auf euern Internetseiten.

Ebenfalls ist unter www.roter-shop.de diverser Soli-Kram (T-Shirts, Kapuzis, Aufkleber, Buttons) zu bestellen, deren Einnahmen uns in unserer antifaschistischen Arbeit unterstützen würden.

Außerdem haben wir auf Youtube ein Mobi-Video zu der kommenden Demo veröffentlicht: http://www.youtube.com/watch?v=Zybj9QbIMsU

Ausführliche Informationen zu den angesprochenen Vorfällen und zur Demo findet ihr unter: http://antifavelbert.blogsport.de

Mit antifaschistischen Grüßen

Antifaschistische Recherchegruppe Velbert