Mutmaßlicher Obdachlosen-Mörder ist ein Neonazi

Im März 2011 wurde in der Obdachlosen-Unterkunft am Derendorfweg in Neuss (NRW) ein aus Vietnam stammender 59-jähriger Obdachloser und Vater dreier Kinder ermordet. Er wurde von zwei Männern, die mit ihm in der Unterkunft übernachteten erschlagen. Die beiden sollen zehn Minuten lang auf ihr Opfer eingeprügelt und eingetreten haben. Die Leiche wies laut Presse zahlreiche Knochenbrüche auf. Die Täter sollen derart heftig mit einer Zaunlatte auf den Kopf ihres Opfers eingeschlage haben, dass das sechs Zentimeter dicke Holzstück dabei zerbrach. Letztendlich erstickte das Opfer an seinem eigenen Blut.
Händler eines Trödelmarkts entdeckten die Leiche in der Nähe der städtischen Obdachlosen-Unterkunft entdeckt.

Die Ermittlungsbehörden waren zunächst von einem Raubmord ausgegangen; dem Opfer fehlten acht Euro und ein Basecap.
Die Ermittler hatten schnell die Fingerabdrücke zweier Männer und die blutverschmierte Geldbörse des Opfers gefunden. Beide Angeklagte sollen im Polizeiverhör den Mord gestanden haben.

Wie sich herausstellte ist mindestens einer der Täter Mitglied der Nazi-Szene. So könnte das angebliche Raubmord-Motiv nicht das einzige bzw. das entscheindende Motiv sein.
Der jüngere der beiden Täter, der 18jähriger Dennis E. gilt als so genannter „Intensivstraftäter“, hat Hakenkreuz-Tattoos auf der Brust, zählt zur Nazi-Hooligan-Szene und bezeichnete vor Gericht Ausländer als „Kanacken“. Er soll bereits früher sein späteres Mordopfer angegriffen und bestohlen haben. Über den zweiten Täter, den 38jährigen Sven K., ist nichts weiter bekannt.

Anfang November war nun Prozessauftakt vor dem Düsseldorfer Landgericht. Der zuständige Staatsanwalt, Christoph Kumpa, behauptete: „Die beiden wussten auch, dass das Opfer sich als Flaschensammler immer erhebliche Mengen Bargeld verdiente“.
Weder kann man mit Flaschensammeln „erhebliche Mengen Bargeld“ verdienen, noch handelt es sich bei der Beute von acht Euro um „erhebliche Mengen Bargeld“.
Immerhin zeigte sich auch der Staatsanwalt erschüttert von der „emotionalen Kälte“ (Presse), mit der speziell Dennis E. gegenüber der Polizei von seiner Tat berichtet habe. Offenbar spielten hier noch andere Motive eine Rolle. Sicher auch die nichtdeutsche Herkunft des Opfers. Aber auch Personen, die zeitweise selbst obdachlos sind, können obdachlosenfeindliche Einstellungen hegen. Genauso wie es antisemitische Juden oder rassistische Migranten gibt.
Bei einer Verurteilung nach Jugendrecht muss Dennis E. mit zehn Jahren Haft und Sven K. sogar mit lebenslänglicher Haft rechnen. Lebendig aber wird dadurch das Opfer auch nicht.

* Brutaler Obdachlosen-Mord: Angeklagter bekennt sich zu Ausländerhass, 7. November 2011, http://www.wz-newsline.de/lokales/rhein-kreis-neuss/neuss/brutaler-obdachlosen-mord-angeklagter-bekennt-sich-zu-auslaenderhass-1.812535
* dpa: Vietnamese wegen acht Euro getötet. Mörder hat Hakenkreuz-Tattoo, 07. November 2011, http://www.n-tv.de/panorama/Moerder-hat-Hakenkreuz-Tatoo-article4709286.html
* Marc Pesch: Obdachlosen-Mord: Ausländerhass als Motiv?, 07.11.2011, http://www.ngz-online.de/neuss/nachrichten/obdachlosen-mord-auslaenderhass-als-motiv-1.2543988
* Obdachlosen-Mord. Ist der Angeklagte ein Neo-Nazi?, http://www.express.de/duesseldorf/obdachlosen-mord-ist-der-angeklagte-ein-neo-nazi-,2858,11113490.html
* Täter hat Hakenkreuz-Tattoos, 08.11.2011, http://www.welt.de/print/welt_kompakt/vermischtes/article13704176/Taeter-hat-Hakenkreuz-Tattoos.html
* dapd: Obdachlosen-Mörder stammt aus der Nazi-Szene, 07.11.2011, http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/obdachlosen-moerder-stammt-aus-der-nazi-szene/5808892.html