Buchkritik „Wohnungslose im Nationalsozialismus“, Begleitheft zur Wanderausstellung

Wohnungslose im Nationalsozialismus
Wolfgang Ayaß hat 2007 parallel zur Ausstellung „Wohnungslose im Nationalsozialismus“ ein Begleitband herausgegeben. Ausstellung wie der Band widmen sich der vergessenen NS-Opfergruppe der Wohnungslosen und „Asozialen“.
Die Ausstellung zeigt, wie im Nationalsozialismus die biologistische Vorstellung von Volk als Superorganismus („Volkskörper“) weiter radikalisiert wird. Um die „Volksgemeinschaft“ zu schützen geht man im Nationalsozialismus gegen „asoziale Großfamilien“ und „Minderwertige“ vor. Ein spezielles „Gemeinschaftsfremdengesetz“ richtet sich vor allem gegen Wohnungslose, tritt aber nie in Kraft. Mit anderen Mitteln werden so genannte „Asoziale“ im „Dritten Reich“ verfolgt.
Es kommt zu Zwangssterilisationen um die „Erbgesundheit“ des Volkes zu „bewahren“ und schließlich wird das „Asozialenproblem“ durch Vernichtung der „Asozialen“ „gelöst“. Im Frühjahr und Sommer 1938 wurden im Rahmen der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ die Landstraßen gesäubert und im Ergebnis von Gestapo und Kripo über 10.000 Wohnungslose etc. als „Asoziale“ ins KZ eingeliefert, von denen die Mehrheit vermutlich gestorben ist. Kurzzeitig stellten die Häftlinge mit dem schwarzen Winkel („Asoziale“) die Mehrheit der KZ-Insassen.
Im Gegensatz zu den Männer wurde den verhafteten Frauen eher ihr abweichendes Sexualverhalten zum Vorwurf gemacht.
Die Diskriminierung von sozial schwachen Menschen erstreckte sich auch bis in die Zeit nach 1945, selbst die NS-Opfer-Organisationen distanzierten sich von „Asozialen“ und „Kriminellen“ als NS-Opfer.

* Wolfgang Ayaß: Wohnungslose im Nationalsozialismus. Begleitheft zur Wanderausstellung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V., Bielefeld 2007