Archiv für April 2009

Obdachlosenheim in Polen brannte – 21 Tote

Am Ostermontag 2009 brach in Kamien Pomorski in Nordwest-Polen in einen hölzernen Obdachlosenheim ein Brand aus. Dabei starben 21 Menschen und 21 weitere wurden verletzt, darunter auch ein Baby.
Die Ursache des Feuers ist unbekannt. Es ist aber bekannt, dass die Notausgänge der Unterkunft verschlossen waren. Vermutlich hat die schlechte Unterbringung vor allem finanzielle Gründe. Für Obdachlose Menschen, also die Ärmsten der Armen, gibt es meist kein Geld.

TKKG sozialdarwinistisch

In der Folge „Der letzte Schuss“ der Kinder- und Jugendhörspielserie TKKG wird übel gegen Obdachlose (im Hörspiel durchgängig „Penner“) gehetzt. Wie in den schlimmsten spießbürgerlichen Klischees sind obdachlose Menschen faul, dreckig, greifen Frauen an, betrunken und selber Schuld an ihrer Lage. Hier ein Ausschnitt:

Karl: „Scheinen ziemlich zäh zu sein diese Penner. Vielleicht liegt das daran, dass sie sich immer schonen? Sie haben keinen Stress, keine Verantwortung, keine Aufgaben und sie leben trotzdem.“
Tim: „Was nicht geübt wird verkümmert. Schonung stärkt nicht, sondern schwächt. Das ist ein Naturgesetz und gilt für alles.“
(„Der letzte Schuss“)

Stuttgart: Anfang November 2008 Obdachloser angegriffen

Eine kurze Notiz mit der Überschrift „Hochaggressive Zwillinge“ im Schwäbischen Tagblatt vom März 2009 lautete:

Stuttgart. Zwei 27-jährige Zwillinge, die an einer unheilbaren Nervenkrankheit leiden, wurden vom Landgericht Stuttgart in Sicherheitsverwahrung verwiesen, weil sie Anfang November einen Obdachlosen überfallen und brutal geschlagen haben. Diese Aggressivität werde durch die Krankheit ausgelöst, so der Richter. Sie seien schuldunfähig, stellten aber eine Gefahr für die Allgemeinheit dar.

Neben der Skepsis bezüglich Kontrolle der, durch die Nervenkrankheit ausgelösten, Aggressivität, bleibt die Frage, warum ausgerechnet dieses Opfer ausgewählt wurde? Haben die Zwillinge in ihrem Wahn ein Mitglied aus der schwächsten Gruppe der Gesellschaft attackiert, weil ihnen durch die Gesellschaft Verachtung bis Hass auf diese Gruppe eingeimpft wurde?

Eine Innenstadt ohne Alkoholiker, Obdachlose und Punks

Ein kritischer Artikel in der Wochenzeitung „Jungle World“ berichtete von einer polizeiinternen „Handlungsanweisung“ in Hamburg, wonach bestimmte Gruppen aus dem öffentlichen Raum vertrieben werden sollen.

Ausdrücklich werden Alkoholiker, Obdachlose und Punks als Personengruppen aufgeführt, die offenbar weder zur Allgemeinheit gehören noch in der Nähe der City verweilen dürfen. […] Tatsächlich genügt es der Hamburger Polizei, dass sich Punks und Alkoholiker »in Personenmehrzahl an einem Ort aufhalten«, um sie mit Platzverweisen zu belegen. Dazu müssen sie noch nicht einmal etwas verbrochen haben. Erfahrungsgemäß könne angenommen werden, dass von Punks und »Zusammenkünften von Alkoholikern« Aggressionen ausgingen und eine »Fremdgefährdung« nicht auszuschließen sei, heißt es in dem Text.

Wie viele ähnliche Handlungsanweisungen oder eingeübtes Verhalten es wohl anderswo gibt?

Andreas Blechschmidt: „Trinken ist ungefährlich“. Zumindest für Unbeteiligte. Nur die Hamburger Polizei ist da anderer Meinung, in: Jungle World Nr. 11, 12. März 2009, http://jungle-world.com/artikel/2009/11/32924.html