„Vom Obdachlosen zum Schlossbesitzer“

Pennergame
„Vom Obdachlosen zum Schlossbesitzer“ so titeln die Macher des populären Onlinegames „Pennergame“ . In diesem spielt man einen „Penner“ und geht dessen vermeintlichen Tagesgeschäften nach „Werde zum organisierten Bettel Monopolisten!“). Dass Spiel strotzt nur so von Klischees und Vorurteilen gegen obdachlose Menschen.
So heißt es in der Beschreibung des Spiels auf dessen Homepage:

Du bist ein untalentierter Penner am Hamburger Hauptbahnhof und kannst weder Lesen noch Schreiben.
Doch du hast das Ziel endlich Reich zu werden. Lerne Lesen und Schreiben um endlich Plakate vor dir aufzustellen um auf dich aufmerksam zu machen.
Lerne Gitarre spielen um Leute zu beeindrucken, miete dir einen Einkaufswagen um Pfandflaschen zu sammeln, werde Trickbetrüger und klaue anderen Menschen Uhren, Brieftaschen und Schmuck.

Um das Ziel des organisierten „Bettel-Monopolisten“ zu erreichen, weist das Spieler folgende Funktionen auf: „Supermarkt für Getränke und Nahrung“, „9 Musikinstrumente für ein geregeltes Einkommen“, „Bettelfunktion“, „Pfandflaschen sammeln und verkaufen“, „verschiedene Verbrechen begehen“, „Weiterbildungen“, „Promillesystem“, „Krankenversicherung“, „27 verschiedene Haustiere“, „22 unterschiedliche Eigenheime“, „8 aufregende Schnorrplätze“, „24 Waffen zum angreifen“, „23 Möglichkeiten sich zu verteidigen“, „Glücksspiele zum Zeitvertreib“, „Stadtkarte mit 103 Stadtteilen“, „Kampfsystem“, „Haustierkämpfe“, „Pennerbanden“ oder „Bandenkämpfe“.

Also noch einmal zusammengefasst. Obdachlose („Penner“)
… sind gemeinhin Analphabeten.
… sind Trickbetrüger.
… sind Diebe.
… sind allgemein Verbrecher.
… sind bewaffnet und damit gefährlich.

Dieses Spiel fördert damit den Hass gegen sozial Schwache, in diesem Fall gegen Obdachlose. Und mag es sich noch so sehr als Satire verstehen. Dieses Spiel könnte sogar den Bestand der Volksverhetzung erfüllen. Vielleicht findet sich ja mal jemand, der oder die eine Anzeige stellt.

Ansonsten sind die Ausrichter des Spiels aber recht feinfühlig was Beleidigungen angeht. In Regel 23 heißt es:
„Beleidigungen InGame sind an den Support zu melden. Der Beleidigende bekommt eine Verwarnung. Nach 3 Verwarnungen wird der Account gesperrt.“

Produziert wurde das Spiel von „Farbflut Entertainment GmbH“ aus Hamburg . Als Geschäftsführer sind Marius Follert und Niels Wildung eingetragen, die beiden Spiele-Entwickler. Offensichtlich sind die beiden bornierte Angehörige der Mittelschicht, die sich gerne mal auf Kosten Schwächerer nen Euro dazu verdienen.

Leider findet das Spiel großen Absatz. „Farbflut Entertainment GmbH“ berichtet von über 400.000 Spielern und über 20 Millionen Seitenzugriffen am Tag. Solche Zahlen führen natürlich zu zahlungskräftigen Werbe-Partnern. Auch eine Expansion in den nicht-deutschsprachigen Onlinegame-Bereich ist geplant.


2 Antworten auf “„Vom Obdachlosen zum Schlossbesitzer“”


  1. 1 icke 07. November 2008 um 0:26 Uhr

    naja, das seh ich aber anders. der ironische unterton ist für jeden eindeutig erkennbar. es gibt ne ganze menge linke, die dieses spiel spielen.

  2. 2 Kpt. Rotbart 19. Februar 2009 um 9:52 Uhr

    Auch ich spiele Pennergame und ich muss sagen, dass sich meine Meinung bzgl. der Obdachlosen seitdem nicht geändert hat. Ich glaube keinesfalls an die Klischees, die in diesem Spiel dargestellt werden, denn ich habe mich früher häufig mit Obdachlosen unterhalten, die ich beinahe täglich in der Nähe meiner Schule getroffen habe und wurde dort eigentlich immer eines besseren belehrt, was die gängigen Vorurteile betrifft. Trotzdem finde ich Pennergame unterhaltsam und witzig. Dabei habe ich das Gefühl mich nicht auf Kosten sozial schwächerer zu amüsieren, sondern finde die Darstellung der Vorurteile an sich witzig. Außerdem sollte jeder, und ich meine wirklich jeder, sei es nun ein Kind oder ein gar ein Erwachsener, in dieses eindeutig satirische Spiel von der Realität zu unterscheiden.
    An dieser Stelle möchte ich die einseitige Berichterstattung dieses Blogs kritisieren, in denen auch von „Volksverhetzung“ die Rede ist. Leute, wenn ihr immer gleich alles verbieten wollt, was euch nicht gefällt, dann führt das im Endeffekt dazu, dass niemand mehr etwas zu lachen hat. Ich bin Student. Beschwere ich mich, dass Studenten häufig als faule, trunksüchtige Tagediebe dargestellt werden, auch wenn es auf die meisten nicht zutrifft? Nein! Naja, ihr seht in welche Richtung das geht. Ich denke ich habe erst einmal genug gesagt.

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