Archiv für November 2008

Homeless World Cup

Zum sechsten „Homeless World Cupâ€� treffen sich vom 1. bis 7. Dezember gut 500 obdachlose Fußballspieler aus 48 Ländern in Melbourne. Jedes Team spielt gegen jedes andere wenigstens einmal, gekickt wird in Halbzeiten à sieben Minuten. Ziel des Cups ist nicht nur der Sieg; es geht auch um Ansporn, Freundschaft und die Motivation, gegen das Obdachlosenschicksal anzukämpfen. Laut Statistik konnten nach dem Cup 2005 in Edinburgh 77 Prozent der Teilnehmer ihre Lebenssituation deutlich verbessern, viele waren nicht mehr obdachlos. Zwölf wurden sogar Profi-Spieler oder Trainer. In Melbourne treten erstmals seit Gründung des Cups auch Frauen-Teams gegeneinander an.

* JULICA JUNGEHÜLSING: WM-FIEBER DOWN UNDER, http://www.weltreporter.net/index.php?page=newsletter&act=show_nl&nlid=124

Lega Nord will gegen Obdachlose vorgehen

Die Lega Nord will ein Obdachlosenverzeichnis anlegen, alle Wohnsitzlosen sollen gezählt und erfasst werden. Innenminister Maroni von der Lega Nord hat den Gemeinden spezielle Vollmachten im „Kampf für Sicherheit“ übertragen. Mailand hat nun ein Gesetz erlassen, das alles, was das zu einem „Bild der Verkommenheit“ beiträgt — wie Straßenprostitution, Drogenkonsum auf der Straße, Bettelei und Graffiti-Sprayereien — unter skandalös hohe Strafen stellt. Außerdem plant die Lega Nord eine Aufenthaltsgenehmigung für MigrantInnen, die 200 Euro kosten soll. Bei jedem Rechtsverstoß wird eine bestimmte Punkteanzahl abgezogen, bis hin zur fälligen Abschiebung.

* Le leggi fasciste, 08.11.08, http://www.autonome-antifa.org/spip.php?page=antifa&id_breve=1983&design=2
* News-Meldung der „Autonomen Antifa“ aus Freiburg, http://www.autonome-antifa.org/spip.php?page=antifa&id_breve=2008&design=2

„Vom Obdachlosen zum Schlossbesitzer“

Pennergame
„Vom Obdachlosen zum Schlossbesitzer“ so titeln die Macher des populären Onlinegames „Pennergame“ . In diesem spielt man einen „Penner“ und geht dessen vermeintlichen Tagesgeschäften nach „Werde zum organisierten Bettel Monopolisten!“). Dass Spiel strotzt nur so von Klischees und Vorurteilen gegen obdachlose Menschen.
So heißt es in der Beschreibung des Spiels auf dessen Homepage:

Du bist ein untalentierter Penner am Hamburger Hauptbahnhof und kannst weder Lesen noch Schreiben.
Doch du hast das Ziel endlich Reich zu werden. Lerne Lesen und Schreiben um endlich Plakate vor dir aufzustellen um auf dich aufmerksam zu machen.
Lerne Gitarre spielen um Leute zu beeindrucken, miete dir einen Einkaufswagen um Pfandflaschen zu sammeln, werde Trickbetrüger und klaue anderen Menschen Uhren, Brieftaschen und Schmuck.

Um das Ziel des organisierten „Bettel-Monopolisten“ zu erreichen, weist das Spieler folgende Funktionen auf: „Supermarkt für Getränke und Nahrung“, „9 Musikinstrumente für ein geregeltes Einkommen“, „Bettelfunktion“, „Pfandflaschen sammeln und verkaufen“, „verschiedene Verbrechen begehen“, „Weiterbildungen“, „Promillesystem“, „Krankenversicherung“, „27 verschiedene Haustiere“, „22 unterschiedliche Eigenheime“, „8 aufregende Schnorrplätze“, „24 Waffen zum angreifen“, „23 Möglichkeiten sich zu verteidigen“, „Glücksspiele zum Zeitvertreib“, „Stadtkarte mit 103 Stadtteilen“, „Kampfsystem“, „Haustierkämpfe“, „Pennerbanden“ oder „Bandenkämpfe“.

Also noch einmal zusammengefasst. Obdachlose („Penner“)
… sind gemeinhin Analphabeten.
… sind Trickbetrüger.
… sind Diebe.
… sind allgemein Verbrecher.
… sind bewaffnet und damit gefährlich.

Dieses Spiel fördert damit den Hass gegen sozial Schwache, in diesem Fall gegen Obdachlose. Und mag es sich noch so sehr als Satire verstehen. Dieses Spiel könnte sogar den Bestand der Volksverhetzung erfüllen. Vielleicht findet sich ja mal jemand, der oder die eine Anzeige stellt.

Ansonsten sind die Ausrichter des Spiels aber recht feinfühlig was Beleidigungen angeht. In Regel 23 heißt es:
„Beleidigungen InGame sind an den Support zu melden. Der Beleidigende bekommt eine Verwarnung. Nach 3 Verwarnungen wird der Account gesperrt.“

Produziert wurde das Spiel von „Farbflut Entertainment GmbH“ aus Hamburg . Als Geschäftsführer sind Marius Follert und Niels Wildung eingetragen, die beiden Spiele-Entwickler. Offensichtlich sind die beiden bornierte Angehörige der Mittelschicht, die sich gerne mal auf Kosten Schwächerer nen Euro dazu verdienen.

Leider findet das Spiel großen Absatz. „Farbflut Entertainment GmbH“ berichtet von über 400.000 Spielern und über 20 Millionen Seitenzugriffen am Tag. Solche Zahlen führen natürlich zu zahlungskräftigen Werbe-Partnern. Auch eine Expansion in den nicht-deutschsprachigen Onlinegame-Bereich ist geplant.

Fünf Obdachlose in LA ermordet

In Long Beach bei Los Angeles (USA) wurden in zwei obdachlose Frauen und drei obdachlose Männer brutal umgebracht. Sie wurden in einer abgelegenen Schlafstelle, die sich hinter einem dichten Gebüsch befand, in der Nähe einer Autobahnauffahrt erschossen. Die Toten wurden erst nach einem anonymen Hinweis am Sonntag gefunden.
Bisher wurden die Toten noch nicht identifiziert.
Polizisten durchkämmten nach der Tat die Gegend auf der Suche nach Hinweisen auf Täter und Motiv und bemühten sich auch, den anonymen Anrufer ausfindig zu machen. Anwohner berichteten der Polizei, sie hätten Sonntagmorgen mehrere Schüsse und das laute Schreien einer Frau gehört. Danach habe eine Zeugin eine Männerstimme sagen hören: „Steig in das Auto ein.“
Erst Ende September wurde in der Gegend ein Obdachloser bei lebendigem Leibe angezündet und so getötet. In und um LA leben schätzungsweise rund 73.000 Wohnungslose.

Möglicherweise hat die Wirtschaftskrise in den USA den Hass auf Sozial Schwache, die dem Staat angeblich auf der Tasche liegen, verschärft.
Andererseits erinnert dieses Massaker an die Obdachlosen-Morde in Lateinamerika, wo die Täter mit den Morden wohlhabende Viertel und Innenstädte von „unerwünschten“ Personen „säubern“.

* bog/afp/ap/dpa: Fünf Obdachlose erschossen, 03.11.2008, http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,587997,00.html
* dpa/bre: Fünf Obdachlose erschossen, 03.11.2008, http://www.sueddeutsche.de/panorama/549/316432/text/

Nazis mobilisieren gegen Tafel-Verantwortliche

Kundgebung gegen „Tafel“-Chefin
Wegberg. Nicht Erwerbsloseninitiativen, die gegen die zunehmende „Vertafelung“ der Gesellschaft protestieren wollten, sondern 20 Neonazis haben am 4.Oktober vor dem Wohnhaus der Wegberger „Tafel“-Chefin eine Kundgebung durchgeführt. Diese richtete sich gegen die Wegberger „Tafel“, weil sie aus ihrem Spendentopf auch 1000 Euro an zwei Projekte in Afrika vergeben hatte. Außerdem forderten die Neonazis, darunter auch NPDler aus Mönchengladbach, Krefeld und Hückelhoven, sowie einige „Autonome Nationalisten“ und Anhänger der „Volkssturms Rheinland“, daß künftig nur noch Deutsche von der „Tafel“ unterstützt werden sollen. Die „Grünen“ kritisierten, daß die Kreispolizeibehörde nicht restriktiver mit der Anmeldung der „Mahnwache“ umgegangen sei. Zudem hätte die Wegberger Verwaltung die Betroffene und die Vertreter im Rat der Stadt über die Kundgebung informieren müssen (peb).

aus: Antifaschistische Nachrichten 21/Oktober 2008, http://www.nrw.vvn-bda.de/hma/an_2008_21.htm