Archiv für April 2007

Der Fall Jalloh beleuchtete auch den Tod eines Obdachlosen

Der gerade in Magdeburg verhandelte Fall, des am 07 Januar 2005 während eines Brandes in seiner Zelle im Polizeireviers Dessau (Sachsen-Anhalt) ums Leben gekommene Asylbewerber Oury Jalloh
wirft auch einen älteren Todesfall wieder auf.
Im November 2002 nahm die Dessauer Polizei den Obdachlosen Mario Bichtemann in Gewahrsam. Dieser war 15 Stunden nach seiner Inhaftierung durch einen Schädeldachbruch ums Leben gekommen.
Bei ihrem ersten Kontrollgang wollen die zuständigen Beamten keine Verletzung bemerkt haben und beim zweiten Kontrollgang war Bichtemann am Boden liegend aufgefunden wurden. In einem Telefongespräch hätte der Neurologe dann eine Behandlung verneint, obwohl er Bichtmann selbst nicht untersucht hatte! Trotz der Bitten der Beamten kam der Arzt nicht zu dem Inhaftierten.
Bei einem dritten Kontrollgang hatte ein Beamter um 12.20Uhr eine Blutspur am Ohr des Mario Bichtermann festgestellt, aber immer noch nicht wollte irgendjemand reagieren.
Dies geschah in der Zelle Fünf, in der ebenfalls Jalloh ums Leben kam, und Dienst hatte an diesem Tag ebenfalls der Dienstgruppenleiter Sch. und die Einsatzleiterin H. und zwei weitere Männer. Ebenfalls wurde derselbe Neurologe zu Rate gezogen, der auch bei Jalloh die Hafttauglichkeit prüfte.
Eine mehr als nur merkwürdige Häufung von Parallelen zum Fall Jalloh.
Es steht zu hoffen, dass der Fall Jalloh umfassende Aufklärung findet und sich die Behörden danach auch dem Fall von Mario Bichtemann widmen.
Ein früheres Ermittlungsverfahren war abgebrochen worden.

WEITERFÜHRENDES
http://www.attac.de/halle/oury/presse/files/prozessbericht-zweiter-tag-nicht-schon-wieder-wir-nicht-schon-wieder-das-pech-im-lotto.html

http://www.wdr.de/tv/monitor/beitrag.phtml?bid=670&sid=126

Geld macht nicht glücklich, aber es hilft (manchmal)

Das Geld nicht glücklich mache ist eine Binsenweisheit, die Reiche gerne verbreiten. Besonders gerne tun sie das, wenn sie selbst aus Selbsterfahrungs-Motiven einmal „arm“ spielen.

Ihr sagt man könne sich Gesundheit nicht kaufen.
Wenn ihr aber durch die Siechsäle der Armen gehen würdet, wo fliegen auf offenen Wunden Eiter schlürfen und ihre Nachkommen einsetzen, würdet ihr euch nach teuren Privatkliniken mit klimatisierten Einzelzimmern, 90-Kanäle-Sendern und motivierten Privat-Krankenschwestern sehnen.

Ihr sagt man könne sich Liebe nicht kaufen. Aber Geld hilft geliebte Menschen zu entlasten, zum Beispiiel indem man sich eine_n Altenpfleger_in leisten kann.

Es heißt man kann sich Freundschaft nicht kaufen.
Aber mit Geld und Geschenken erkaufte Freundschaft hilft den Mächtigen bei Geschäften und schützt sie vor dem Sturz.
Diese Art von Freunden hat niemand von den Armen, aber ihre Hilfe hätten sie notwendig.

T.L.

Gefunden: Gedicht von Jack London

„Uralte Sehnsucht und Wanderlust zerrt
an den Ketten beschwört in der Tiefe
in schlummernder Brust
der versunkenen Wildheit Stätten.“

Jack London („Ruf der Wildnis“)

Zwei Linktipps zur Wahl in Frankreich

Einen guten Hintergrundbericht des jüngsten Kampfes der Wohnungslosen in Frankreich liefert der Journalist Bernhard Schmid (Paris) in den „Antifaschistischen Nachrichten“ 02 / 2007.
Der Artikel ist kostenlos einsehbar unter:
http://www.antifaschistische-nachrichten.de/2007/02/1wohnungslos.shtml

Ebenfalls von Bernhard Schmidt ist der in der Wochenzeitung „Jungle World“ Nummer 02 vom 10. Januar 2007 erschienene Artikel „Feierabend im Zelt“, darüber dass „es ein paar Wohnungslose geschafft [haben], die Wohnungsnot zum wichtigsten innenpolitischen Thema zu machen.“
Der Artikel ist kostenlos einsehbar unter:
http://www.jungle-world.com/seiten/2007/02/9130.php

die straße

seit nun fast 26 Jahren lebe ich auf der straße (mit ein paar unterbrechungen). Am anfang ungewollt, aber inzwischen lebe ich bewußt auf der straße und fühle mich dabei sehr wohl. Ich bin jetzt 50 jahre alt und werde warscheinlich die nächsten paar jahre so weitermachen.